Donnerstag, 15. November 2007

Alt tar sin tid

Wir schreiben den 4. Monat unseres privaten Norwegenzeitalters. Es ist sehr kalt geworden, aber die Sonne strahlt. Fast scheint es, als könnte es gar nicht besser laufen …

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Die gesamte Schnee-Ausbeute des vergangenen Wochenendes

Jedoch gibt es etwas, was uns ziemlich nervt. Es dauert einfach alles sehr sehr sehr sehr lange. Will man sich längerfristig im Land aufhalten, oder hat man gar die Absicht, sein Geld durch ehrliche Arbeit zu verdienen, kommt man nicht umhin, eine Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Hat man Antrag, Arbeitsvertag, diverse Kopien, Passbild und Legitimasjion (Ausweis) zusammen, hat eine Nummer gezogen und ist dann endlich an der Reihe, geht alles ganz schnell. Antrag abgeben, Anlagen checken und fertig. Doch der eigentliche Akt beginnt erst jetzt. Die Zeit des Wartens … es dauert geschlagene 4 bis 6 Wochen bis endlich das begehrte Schreiben im Briefkasten des Arbeitgebers landet.

Damit wäre die erste Hürde genommen – es sind min. 4 Wochen vergangen.

Hat man endlich die Aufenthaltserlaubnis, kann man zum Likningskontor (Einwohnermeldeamt) um eine Personennummer sowie Steuerkarte zu beantragen. Ohne Personennummer geht hier prinzipiell gar nix und ohne Streuerkarte gibts zumindest kein Geld für die Arbeit. Die erste Schwierigkeit: eine Übereinstimmung zwischen den eigenen Arbeitszeiten und den zeitlich stark begrenzten Öffnungszeiten des Amtes zu finden. Ist dies geglückt, ist es eigentlich nicht weiter kompliziert: Nummer ziehen, Antrag auf Steuerkarte ausfüllen, Anmeldung bei der Kommune ausfüllen, Passbild abgeben und fertig … auch hier bekommt man gesagt: Det tar nesten 5 uker. Will heißen, es dauert wieder mind. 5 Wochen. Der erwartete Bescheid folgt dann in Etappen – erst eine Bestätigung der Anmeldung von der Kommune, ein paar Tage später die Steuerkarte samt Personennummer aus Oslo und noch ein bisschen später ein Schreiben vom NAV (Arbeits- und Sozialamt) mit einer Liste von Ärzten, von denen man einen als Fastlege wählen kann.

Bis zu diesem Zeitpunkt sind gut 9 Wochen vergangen.

Eigentlich könnte man nun fast glücklich sein. Doch so richtig durchstarten kann man noch nicht, denn um Geld vom Arbeitgeber zu bekommen, braucht man Giro (ein Konto). Kein Problem, schließlich hat man ja nun alle wichtigen Unterlagen beisammen. Also ein Stündchen auf Arbeit frei nehmen – die Öffnungszeiten der Bank sind noch kundenfreundlicher als die der Ämter – hin zur Bank, Nummer ziehen, warten, … Kommt man dann endlich an die Reihe, füllt man einen Antrag auf ein Konto aus, trägt die gerade erstandene Personennummer ein, zeigt den Ausweis vor und erklärt der Frau von der Bank, dass man das ß im Nachnamen auch durch ss ersetzen kann. Ist der Antrag fertig, erfährt man, dass man in zwei Tagen (immerhin handelt es sich um Tage!) wiederkommen kann und dann ein Konto erhält. Folglich nimmt man zwei Tage später auf Arbeit wieder frei, eilt zur Bank, zieht eine Nummer … Schließlich hat man eine Kontonummer und erfährt, dass man auch am Internetbanking teilnehmen kann und eine VISA-Karte (welche keine Kreditkarte ist!) beantragen kann, wenn man 3 Monatslöhne auf dem Konto hat. Doch was in diesem Moment viel wichtiger ist: man kann die neu erstandene Kontonummer sofort dem Arbeitgeber melden.

Bis hierhin sind 10 Wochen vergangen.

Der freundliche Arbeitgeber meldet diese Kontonummer sogleich der Buchhaltung und bittet diese, den ausstehenden Lohn umgehend zu überweisen. Zwei Wochen später erhällt man den ersten Lohnschein, welcher sich recht erfeulich liest – 5 Stellen vorm Komma sehen nicht schlecht aus ;) Leider hat das ganze auch eine Kehrseite, denn auf dem gleichen Zettel (Lappen) steht auch, wieviel man dem Staat abtreten darf – Autsch! Aber immerhin hat man nun endlich wieder selbstverdientes Geld und muss nicht mehr am Hungertuch nagen.

Es sind 12 Wochen vergangen.

Die Freude ist groß, schließlich kommt wieder Geld ins Haus. Dumm nur, dass man damit noch nicht arbeiten kann. Also geht man auf die Webseite der Bank und meldet sich zur Nettbank an. Einen Tag später erhält man eine Antwortmail, in der die Bank mitteilt, dass man zum Internetbanking eine persönliche BankID benötigt. Diese kann man jedoch nur in einer Filiale beantragen. Also knappst man ein bisschen was von den zahlreich angehäuften Überstunden ab, um sich mal wieder auf der Bank zu melden … Nummer ziehen, warten, … die selbe Prozedur … Endlich an der Reihe, erfährt man dass man sich noch 2 Monate gedulden muss. Schließlich ist das Konto noch neu und die Bank erst abchecken, was man mit seinem Konto anstellt. Der Verweis auf die vorhandenen 3 Monatslöhne bringt nichts ein, außer einer Bekundung des Bedauerns des Bankmitarbeiters … beim Vorhandensein der 3 Monatslöhne geht es nicht um den Betrag, sondern um den Zeitraum der Zahlungseingänge …

Es sind also knapp 15 Wochen!!! (wie schnell doch die Zeit vergeht) vergangen

Und so kann man mit seinem harterarbeiteten Kleingeld nicht wirklich was anfangen. Vielmehr bereitet es weiter Sorgen, denn wegen jeder zu tätigenden Zahlung nimmt man sich auf Arbeit ein Stündchen frei, geht zur Bank, zieht eine Nummer, …

Bis alles endgültig so funktioniert, wie es soll, sind vermutlich 25 Wochen vergangen – was knapp einem halben Jahr entspricht. Immerhin ist dann auch fast die Probezeit auf Arbeit vorüber … und wenns dumm läuft … aber daran will man gar nicht denken.

Übrigens, die Zwiebl befindet sich gerade in der 2. Phase des Prozederes … dabei hat sie schon 5 Verzug welche aus der Arbeitssuche (nach einer unbefristeten 50%-Stelle – wichtig fürs UDI = Ausländerbehörde) sowie Verzögerungen bei der Bearbeitung der Aufenthaltsgenehmigung resultieren.

Wer nachrechnet wird erkennen, dass es wohl für mich zu Weihnachten sehr sehr traurig aussehen wird :(

Ach ja, was ich noch erwähnen wollte: Zwiebls Antrag auf Anerkennung ihres pädagogischen Abschlusses, welcher im August eingereicht wurde – geschätzte Bearbeitungszeit 6 – 8 Wochen – befindet sich bis heute in der Bearbeitung bei NOKUT, der zentralen Behörde zur Anerkennung von Abschlüssen .

5 Kommentare zum Beitrag “Alt tar sin tid”

  1. Martin schrieb am 16. November 2007 um 00:11 Uhr:

    Hör ich da schon den ersten Auswandererfrust raus? ;-) Stavanger is halt ne beliebte Region. Zieht um, woanders geht`s schneller – hihi.
    Martin

  2. Jana + Aiko schrieb am 16. November 2007 um 15:11 Uhr:

    … und da rege sich noch mal einer über die deutschen Behörden auf! ;-) man lernt wohl erst Sachen schätzen, wenn man sie nicht mehr hat oder gar noch schlimmer kommen könnten.

  3. marzl schrieb am 18. November 2007 um 10:11 Uhr:

    An dieser Stelle möchte ich nur klarstellen: uns gehts gut und wir haben unseren Umzug nicht bereut. Es läuft eben auch Norwegen nicht alles so glatt. Zudem weiß ich nicht, was einen erwartet, wenn man z.B. nach Deutschland umzieht. Welche Unwegbarkeiten würden einen erwarten?
    Ach ja und dass es in anderen Gegenden schneller ginge, kann ich mir schwer vorstellen, schließlich laufen diesbezüglich alle Drähte in Oslo zusammen …

  4. Martin schrieb am 19. November 2007 um 20:11 Uhr:

    Doch, ich kenne einige, bei denen hat diese Rennerei nur 4 Wochen gedauert – aber vielelicht hatten die auch nun Glück. Wie dem auch sei, es gibt auch so Hoffnung: Letzte Woche wurde in Oslo ein neues Service-Center im Stadtteil Tøyen eröffnet. Dort laufen nun alle Drähte zusammen, d.h. alle Behörden sitzen in einem Raum. Es soll dort nun möglich sein, die Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung inkl. Skattekort innerhalb von 5 (!) Tagen zu erhalten. Das Service-Center steht allen offen, es sollen aber auch in Restnorwegen noch weitere eröffnet werden! Man hat das Problem also erkannt. :-)

  5. das Ännchen schrieb am 29. November 2007 um 23:11 Uhr:

    Hi ihr 3!
    Na der Weihnachtsmann arbeitet zum Glück länderübergreifend bzw. dürfte er seine Päckchen bei euch eher abschmeißen. Die Wichtel sind schon im Einsatz um alles rechtzeitig fertig zu stellen. … oder zieht es euch zu Weihnachten in die Berge zurück?
    Liebe Grüße aus H´stein

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