Sonntag, 25. November 2007

Es kost’ ja nüscht

Norwegen ist reich … reich an Natur und Rohstoffen. Öl, Wasser, Wald und Unmengen Steine … die Natur hat’s wirklich gut gemeint mit Norwegen. Leider meinen es die Norweger nicht immer gut mit der Natur. Da wird verbraucht und weggeworfen, was das Zeug hält.

Wasser (aus der Leitung) muss hier nicht bezahlt werden – schließlich gibts ja Wasser ohne Ende. Da machts auch nichts, wenn der Wasserhahn ‘ne 1/2 Stunde läuft, ohne dass Wasser gebraucht wird. Auch wird das Geschirr abgewaschen bevor es in die Spülmaschine kommt. Beim Strom isses ähnlich … der ist zwar nicht gratis, aber doch viel viel günstiger als in Deutschland weil er zum Großteil aus Wasserkraft gewonnen wird – das ist schließlich umweltfreundlich! Deshalb kann man auch ruhig soviel Strom verheizen wie nur irgendwie möglich.

So wird morgens beim Betreten des Büros als erstes alles Licht angeschaltet, was irgendwie möglich ist – ganz egal ob’s gebraucht wird oder nicht. Da brennt das Licht auch mal wochenlang durch, weil der Lichtschalter kaputt ist und die Rechner laufen sowieso das ganze Wochenende, damit man am Montag die 5 Minuten hochfahren “spart”. Auch geheizt wird meist mit Strom … nicht nur in der Wohnung sondern auch Straßen und Fußwege (zum Teil). Das spart immerhin den Winterdienst.

Auch in Sachen Papier ist man sehr großzügig. Da werden Leute, welche Papier beidseitig nutzen müde belächelt (veldig merkelig) … kost doch nüscht. Und so gehts hier mit vielen Dingen wie z.B. matvarer (Lebensmittel) !!! Da fliegen halbe Brote in den Müll, nur weil sie vom Vortag sind. Oder es werden 5 Dosen Fisch angerissen und dann nur zur Hälfte geleert und weggeschmissen, weil man den ja am nächsten Tag nicht mehr essen kann (armer Flipper). Jaja, der Wohlstand treibt teilweise seltsame Blüten … Aber immerhin denkt man nun in Stavanger über die Einführung der Mülltrennung nach – aus Umweltschutzgründen!!! Eigentlich doch ein genialer Einfall … und den Müll zu trennen kost ja nüscht …

Ach ja, nur falls hier wieder der Eindruck der Unzufriedenheit aufkommt. Dem ist nicht so! Es geht uns gut und wir fühlen uns wohl. Bei diesem Artikel handelt es sich lediglich um eine leicht kritische Betrachtung der norwegischen Lebensweise.

Ein Kommentar zum Beitrag “Es kost’ ja nüscht”

  1. Martin schrieb am 26. November 2007 um 23:11 Uhr:

    Hei,
    an allem rumkritteln hätt ich als überheblich empfunden, aber kritisieren darf man, und das find ich gut. Zumal man eben als Außenstehender den nötigen Abstand hat, die Dinge auch noch wirklich wahrzunehmen. Man ist ja sonst schon komplett betriebsblind. Ihr habt den Vorteil nun, dass ihr beide Länder mit Abstand betrachten könnt. Das ist eigentlich etwas tolles, aus dem z.B. Bill Bryson seine Kreativität für seine humorvollen Reiseromane zieht.

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