Montag, 10. März 2008
Treffen sich 1000 Schneemänner zum Picknik im Schnee …
Es war das wohl ehrgeizigste Projekt der Stavanger2008-Organisatoren – “MOT HIMLALEITE! Sauda tour en l’air” – eine Open-Air-Show mit Musik, Tanz, Licht und Skiakrobatik auf über 600m Höhe.

Das klingt natürlich spannend und so konnten wir uns dieses (nicht ganz) einmalige (es gab 4 Vorstellungen) Erlebnis nicht entgehen lassen. Doch wie kommt man am schnellsten von Stavanger aus ins Gebirge? Na logisch, mit dem Boot. Und so bestiegen wir gestern Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein und 9°C das HurtigbÅt Richtung Svandalen. Leider verzog sich die Sonne mit zunehmender Entfernung vom Heimathafen und gab sich dicken Regenwolken geschlagen. Knapp 2 Stunden ging es in flotter Fahrt zwischen Schären und unzähligen Inseln hindurch, mal mehr oder weniger knapp an Felsern vorbei – bei schönem Wetter sicher eine klasse Bootstour. In Sauda angekommen wartete ein Bus, welcher uns ein Stück näher ans Ziel bringen sollte. Eine Viertelstunde später waren wir auf knapp 300m Höhe an der Basisstation des Skigebietes Svandalen. Wer mitgerechnet hat weiß, dass da noch einige Meter fehlen …

Weiter gings im Fußmarsch den Skihang steil bergauf. Inzwischen hatten sich zahlreiche Besucher am Fuße des Berges eingefunden, die alle das gleiche Ziel hatten. Und so schleppte sich die Karavane mühsam bergauf. Der Schnee hatte sich dort oben auf über 5m getürmt, was den Aufstieg nicht unbedingt erleichterte. Kurze Verschnaufpausen blieben da natürlich nicht aus. Und wenn man sich umschaute, ließ sich ein traumhaftes Panorama erahnen.

Zwischendurch sorgte das Norwegische Rote Kreuz für Stärkung durch einen Vitaminschub und verschiedene hartgesottene Sänger und Musikanten für zusätzliche Motivation.
Nach drei Viertelstunden kraxeln hatten wir das Ziel erreicht. Zur Belohnung spendierten freiwillige Helfer heiße Getränke und Schokolade. Danach gings in die Arena. Auf 600 Metern hatten die Veranstalter ein Schneetheater samt Zuschauertribüne in den Schnee gebuddelt. Bewaffnet mit Isomatte und Styropor-Sitzkissen nahmen wir auf den Schneestufen der Tribüne platz. Inzwischen hatte leichter Schneefall eingesetzt und nach und nach füllten sich die Ränge. Überall wo man hinschaute wurden die Rucksäcke geöffnet und es kamen Thermoskannen und verschiedenartigste Vorräte zum Vorschein. Fast konnte man glauben, all die Menschen hätten sich hier oben zum Picknick verabredet.

Pünktlich 19:00 Uhr gings los und augenblicklich verwandelte sich der leichte Schneefall in dichtes Schneegestöber. Von daher war es manchmal etwas schwierig zu sehen, was da am “Übergang zwischen Berg und Himmel” (= Himlaleite) vor sich ging. Da wurde gesungen, getanz, im Schnee gekugelt und farbenfrohe Animationen in den Schnee projiziert. Zwischendurch “fielen” noch ein paar von Norwegens besten Trikskifahrern “vom nächtlichen Himmel”. Eine feine Sache! Und wenn man sich zwischendurch mal auf den Zuschauerreihen umschaute, konnte man sehen, wie nach und nach alle in Schnee verhüllt wurden.
Nach ziemlich genau einer Stunde war das Spektakel vorüber und plötzlich erhoben sich tausende Schneemänner und -frauen von ihren Plätzen, um den Darstellern, Veranstalltern und den unzähligen freiwilligen Helfern ihren Respekt für eine gelungene Veranstaltung zu zollen. Sie hatten sich vorgenommen, allen Widrigkeiten zu trotzen und das Projekt auf jeden Fall durchzuziehen, komme was wolle. Sie liessen sich auch nicht davon abbringen, als der norwegische Wettertroll das gesamte Areal über Nacht immer wieder mit einer dicken Schneedecke überzog.
Natürlich mussten nach der Veranstaltung alle den gleichen Weg wieder nach unten, den sie zuvor mühsam bergauf hinter sich gebracht hatten. Und so wählten wir den Rumpa-Express … auf den Hintern, fertig, los … mit der Arschrutscher-Methode waren wir schneller als die meisten Skifahrer, ernteten erstaunte Blicke vieler Norweger und sassen als erste wieder im Trockenen, sprich Bus.
Die Rückfahrt war dann wenig spektakulär … das Boot schipperte durch die Nacht, von Inseln und Felsen war nicht viel zu sehen. Zudem hatten die vorangegangenen Anstrengungen zur Folge, dass sich die Augenlider immer wieder senkten. Und so legten wir kurz vor Mitternacht wieder sicher im Hafen von Stavanger an.
Bilder von den Proben: Aftenbladet-WebTV
Infos über das Skigebiet Svandalen: www.saudaskisenter.no
Hütte oder Ferienwohnung in Svandalen gefällig?
www. svandalen-panorama.no oder www.svandalen-fjellgrend.no

Da kann man schon ein bissel neidisch werden. In 2 3/4 Stunden vom Sonnenschein zum Schneespektakel. Es wundert mich etwas, dass die Norweger diese Art des schnellen Abstieges nicht aufgenommen haben. Zumal die Isomatten sicher dafür recht praktisch waren. Ja, die gelernten Ossis sind eben pfiffig.
Im Erzgebirge stürmt es noch, aber ich glaube, wir sind trotz allem gut weggekommen. Im Norden sieht es schlimmer aus. Liebe Grüße, Mum.