Montag, 17. März 2008

Alles furchtbar kriminell

Gerade erst hat eine Statistik ans Tageslicht befördert, dass Oslo, die Hauptstadt Norwegens, die Stadt mit der größten Kriminalität in Nordeuropa ist … Demnach werden in Oslo pro Einwohner mehr Verbrechen angezeigt als in New York (vielleicht liegt das daran, dass die Opfer in New York nicht mehr in der Lage sind das Verbrechen anzuzeigen?!) . Und als wäre diese Nachricht nicht schlimm genug, steht nun auch noch Ostern vor der Tür … mit Abstand die kriminellste Jahreszeit Norwegens.

osterkrimi.jpg

Auch wenn Oslo glücklicherweise weit weg ist, so waren die ersten Anzeichen der kriminellen Festtage dann auch in hiesigen Gefilden zu beobachten. Noch am Freitag waren das Stadtzentrum und die Straßen belebt und vollgestopft mit Autos und Menschen. Doch heute? Auf meinem morgentlichen Weg zur Arbeit kam ich mir vor wie in einem dieser Urlaubsdörfer an der Ostsee, welche im Winter völlig verlassen sind. Die Menschen, welche in der Stadt unterwegs waren, konnte man mit den Fingern abzählen. Und im Büro war es so ruhig wie nie … kein Telefon klingelte … wir mussten uns gegenseitig anrufen, um sicher zu gehen, dass nicht evtl. die Telefone defekt sind.

Wo waren sie nur alle hin, die Menschen und die Autos? Waren sie vor den Verbrechern geflohen oder wurden sie nach Osteuropa transferiert?

Natürlich nicht … vielmehr ist es so, dass gefühlte 90% der Norweger im Osterurlaub sind. In Norwegen sind seit heute Ferien und deshalb waren am vergangenen Wochenende alle auf dem Weg ins Gebirge. Traditionell verbringt man hier die Osterferien auf der Hütte in den Bergen. Wer selber keine Hütte besitzt, leiht sich zu horrenden Preisen eine. Vor einigen Jahren waren die Hütten eher spärlich ausgestattet, ohne Strom und fliessend Wasser. Heutzutage sind jedoch viel Hütten mit allen Annehmlichkeiten des modernen Lebens ausgestattet. Ganz gleich ob Strom, Kabel-TV oder Internet … die Norweger ziehen die Strippen in die entlegensten Ecken … schliesslich will man auch im Urlaub nix verpassen.

Traditionell gehts tagsüber mit der ganzen Familie auf Skitur, um sich dann abends aufs Eisbärenfell (natürlich selbst erlegt) vor den Kamin zu hauen und sich mit heißem Kaffee wieder aufzuwärmen. Und weil die Abende noch lang und kalt sind, gibts dazu den obligatorischen Osterkrimi. Der PÅskekrim gehört hier ebenso zu Ostern, wie in Deutschland der Osterhase und die Eiersuche – beides hier nicht wirklich gebräuchlich. Und so kommt es dann auch, dass in den Tagen vor Ostern die meisten Bücher veröffentlicht und verkauft werden. In diversen Fernsehshows werden die Autoren am Fliessband vorgestellt: … “Hallo XY… du bist Autor? – Ja! – Super, und du hast ein neues Buch geschrieben? – Ja! – Was ist das für ein Buch? – Ein Krimi! – Toll, schön dass du hier warst … der nächste bitte!”

Diesem Krimiwahn kann man eigentich nicht entkommen. Die Tageszeitungen veröffentlichen Extrabeilagen mit PÅskekrims und auch im TV werden gewöhnliche Krimiserien zu PÅskekrims umfunktioniert. Bei all der geballten Kriminalität zu Ostern kann man eigentlich nur hoffen, dass die Norweger in dunklen, kalten Osternächten nicht auf noch dunklere Ideen kommen. ;)
Übrigens zieht sich mein PÅskekrim schon fast seit Weihnachten … das liegt vielleicht daran, dass es kein echt norwegischer Osterkrimi ist, sondern lediglich die norwegische Übersetzung von Karin Slaughters “Vergiss mein nicht.“. Ein weiteres Indiez dafür, dass wir noch keine echten Norweger sind ist, dass wir keine Hütte in den Bergen besitzen – noch nicht ;) Vielmehr verbringen wir unseren Osterurlaub in der alten Heimat. Dort erwartet uns ein straffes Besuchsprogramm, so dass es wohl kein richtig erholsamer Urlaub wird. Aber wir freuen uns trotzdem darauf, die Familen und viele gute Freunde wiederzusehen.

In diesem Sinne … Frohe Ostern … God PÅske!

PS.: Einige der hier dargelegten Fakten beruhen auf Berichten Dritter, da noch keine Gelegenheit war, diese persönlich zu eruieren.

Ein Kommentar zum Beitrag “Alles furchtbar kriminell”

  1. Claudi schrieb am 21. März 2008 um 15:03 Uhr:

    Es ist egal wie weit weg du von der Heimat wohnst. Sobald du so weit entfernt wohnst, dass du eine Reisetasche brauchst, arten die Besuche immer in Marathonveranstaltungen aus. Am besten ihr nehmt euch hinterher noch ein paar Tage frei, zur Erholung.
    Ich weiß, wovon ich da rede.

    Alles Gute für euch.

    Und noch ein Link, dass ihr auch auf dem Laufenden bleibt, was die Entwicklung von Klein-Mia und unser deutschländiges Leben macht: http://web.mac.com/jahn.enzmann

Kommentar zu diesem Beitrag schreiben