Samstag, 26. April 2008
Der Mai wirft lange, dunkle Schatten
…voraus. Und das nicht nur, weil in den vergangenen Tagen und Wochen solch traumhaftes Wetter war.
Am 17. Mai ist Norwegens Nationalfeiertag. An diesem Tag werfen sich die Norweger traditionell in ihre Tracht, um die Verabschiedung der Norwegischen Verfassung (1905 1814) zu feiern. Dabei sind alle auf den Beinen. Gefeiert wird mit der ganzen Familie und Freunden. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist in jedem Jahr der große Festumzug. Ganz gleich wie groß bzw. klein ein Ort oder eine Stadt ist – selbst im kleinsten Nest findet ein Festumzug statt.
Wir konnten das im vorigen Jahr in Stavanger erleben. Mit bunten Fähnchen ziehen Schulen und Vereine fröhlich singend und tanzend durch die Stadt. Stolz präsentieren sie den Zuschauern am Straßenrad, was sie im Verein oder der Schule gelernt oder trainiert haben. So ein bisschen erinnerte das Ganze an die Mai-Demonstrationen damals vor vielen Jahren in der DDR.
Doch in diesem Jahr gab es schon lange vor dem 17. Mai heftige Diskussionen. Grund dafür war ein Beschluss des Umzugskommitees in Oslo, ausländische Fahnen im diesjährigen Festumzug zu verbieten. Begründet wurde diese Festlegung damit, dass doch am norwegischen Nationalfeiertag nur norwegische Fahnen zu sehen sein sollten. Zugezogene Ausländer könnten doch das ganze Jahr mit ihren Fahnen wedeln. Deshalb sollten sie das doch an diesem Tag unterlassen. Dieser Beschluss führte natürlich zu hitzigen Diskussionen. Die Politiker der verschiedenen Lager gerieten dabei heftig aneinander. Die rotgrüne Regierung war bestürzt über diese Festlegung während Frp (Fortschrittspartei*?!) und Høyre (Rechtspartei – !!! keinesfalls gleichzusetzen mit den rechten Parteien in Deutschland) durchaus für ein generelles Verbot ausländischer Fahnen zum 17. Mai plädierten.
Die Norwegische Bevölkerung war diesbezüglich ebenso gespalten. Zahlreiche Umfragen und Studien zeigten jedoch, dass die Mehrzahl der Norweger ein Verbot ausländischer Fahnen befürworten. Norwegen und ganz speziell die Hauptstadt Oslo steht dadurch natürlich in einem sehr schlechten Licht. Letztlich hat sich aber der Bürgemeister der Stadt eingestaltet und das Verbot des Festkomitees ausgestzt. Die Diskussionen sind somit erstmal beigelegt. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob das Ganze am 17. Mai ein “Nachspiel” hat. Sehr wahrscheinlich werden aber spätestens im nächsten Jahr die Diskussion erneut entfacht. Dann befindet sich das Land in einem richtungsweisendsen Wahlkampf.
* Die Fortschrittspartei (Frp = Fremskrittsparti) ist so liberal und fortschrittlich, dass sie jeglichen Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß, Treibhauseffekt und Klimaerwärmung anzweifeln!!! Aber das nur am Rande
.
[ANMERKUNG] Sebastian hat natürlich ganz recht. Der Nationalfeiertag geht auf die Verabschiedung der norwegischen Verfassung 1814 zurück. Diese wurde am 17. Mai 1814 in Eidsvoll verabschiedet. Seither gilt dieser Tag als norwegischer Nationalfeiertag. Richtig eigenständig wurde Norwegen aber erst 1905. Aber der Nationalfeiertag hat damit nix zu tun – wie ich vorher fälschlicher Weise behauptete. Sorry!
Wer es noch genauer wissen will: http://www.norwegen.no/history/

Bevor Ihr Euch dann in die Tracht werft, solltet Ihr aber nochmal einen Blick in die Geschichtsbücher werfen. Die Verfassung wurde am 17. (eigentlich 16.) Mai 1814 in Eidsvoll verabschiedet, nicht 1905. Die Unionsoppløsning wurde im Juni 1905 erklärt und nach Mobilmachung beider Länder im Oktober dann schliesslich doch ohne Krieg von Schweden anerkannt. Damit hat aber der 17. Mai nichts zu tun, das ist der Jahrestag der Verfassung 1814.
Wenn du nicht die deutsche Fahne schwenken willst, dann bastle dir doch eine Friedenstaube in bester ostdeutscher Tradition, auch wenn Picasso ein Spanier war.
Für Frieden und …
immer bereit