Montag, 02. Juni 2008
Drachentöter
Kultur muss nicht immer Musik, Tanz oder Theater sein. Kultur ist auch nicht nur was für die Großen. Und so richtet sich das kulturelle Angebot der Kulturhauptstadt Stavanger2008 häufig an die ganze Familie.
So auch am vergangenen Wochenende. Da stand das große Drachenfest auf dem Kulturplan. Am Samstag waren alle ins Kulturhaus nach Sola eingeladen, um dort unter fachkundiger Anleitung Drachen zu bauen. Wie diese Basteleinheit verlief und welchen Zuspruch die Veranstaltung erhielt kann ich nicht sagen, denn wir waren mit unserem eigenen Bastelwerk beschäftigt.

Am Sonntag jedenfalls war der Zuspruch gewaltig. Denn da sollten die Drachen ihren ersten Freigang haben. Und so versammelten sich tausende Leute bewaffnet mit der wettergerechten Picknickausrüstung und natürlich den selbst gebauten oder direkt vor Ort erworbenen Flugdrachen am Hellströstrand. Auch wir hatten uns mit dem Rad aufgemacht, hatten unseren nicht selbst gebauten Drachen gut verzurrt und die Wegzehrung im Rucksack verstaut. Nach knapp 1stündiger Radeltour kamen wir gut temperiert am Strand an, wo wir schon gut sichtbar von verschiedensten Flugobjekten begrüßt wurden.
Die Wetter- und Flugbedingungen waren bis dahin prächtig – Sonne satt und eine seichte Brise vom Meer her. Noch ein wenig außer Puste beschlossen wir daher, uns erstmal ein Plätzchen im Sand zu suchen und das bunte Treiben näher anzuschauen. Pünktlich 13:00 Uhr als der große Drachenflugwettbewerb starten sollte, flaute der Wind ab und es ging in Sachen Drachenfliegen gar nix mehr. Selbst die Spezialisten vom hiesigen Drachenklub waren nicht in der Lage, die Fluggeräte in der Luft zu halten. Nichts destotrotz rannten zahlreiche Kinder und mindestens ebensoviele Erwachsene den Strand rauf und runter … immer im Schlepptau eines dieser Fliesch-zeuge, welche sich strikt weigerten gen Himmel zu steigen.
Erst ein gutes Stück später, als die ersten schon verzweifelt aufzugeben drohten, erbarmte sich der Wind nach ausgiebiger Mittagsruhe und pustete wieder ein wenig lustlos über den Strand. Nicht sonderlich kräftig, aber immerhin genug, um ein farbenfrohes Sammelsurium verschiedenster Drachen an den Himmel zu zaubern.

Auch wir wollten unserem sportlichen Fluggerät ein bisschen Auslauf gönnen (erstmalig). Und wieder einmal zeigte sich, dass Theorie und Praxis einigermaßen weit auseinanderliegen können. Nun ja, den anderen zuzuschauen ist das eine, den eigenen Drachen in die Luft zu kriegen und oben zu halten etwas anderes. Es bedurfter einiger Versuche und zahlreicher Abstürze, ehe wir den Dreh mit dem Lenkdrachen so einigermaßen raus hatten.

Einige Loopings und mehrere Bruchlandungen später gönnten wir unserem blau-gelben Flugsaurier den wohlverdienten Feierabend und radelten wieder gen heimatliche Terrasse. Jedoch nicht ohne zuvor die Meerestemperatur zu testen … was soll ich sagen? Der Golfstrom ist nicht wirklich warm.
