Sonntag, 29. Juni 2008
Urlaubstagebuch 2xLI-NO: Tag 4
Sonntag ist Tourtag. Erstmalig wagen wir uns mit Besuchern auf unbekanntes Terrain. Aus unserem Tourbuch haben wir eine leichte 2-Stunden-Tour gewählt, um den Littmännern noch ein bisschen die norwegische Landschaft schmackhaft zu machen.
Wettervorhersage: bewölkt aber trocken bei ca 17°C
Nach kurzer Anfahrt mit dem Auto ist der Startpunkt erreicht. Wir ahnen nix böses und machen uns frohen Mutes auf den Weg. Wobei Weg ist zuviel gesagt. Die ersten Meter des “Weges” führen über mehr Stein als Stock steil bergauf.

Typisch für norwegische Turstige, aber keinesfalls einfach. Es kommt zu ersten Verstimmungen. Doch die Hoffnung auf Besserung treibt und voran. Nach einigem Kraxeln wird das Geröll weniger und von sumpfig-glitschigen Wiesen abgelöst. Das verstimmte Grummeln ist nun nicht mehr überhörbar und erste Fluche ereilen die Wanderleitung.

Sehr wahrscheinlich bezieht sich die Beschreibung “leicht” lediglich auf die Auffindbarkeit der Wegmarkierungen … folgen Sie dem blutenden Kaninchen … der Touristverein war hier sehr großzügig mit roter Farbe. Teilweise häufen sich die roten Punkte, dass man annehmen muss, dass hier vor Kurzem ein brutales Verbrechen stattgefunden hat. Doch für solch grausige Gedanken bleibt nicht wirklich Zeit. Man muss genau darauf achten wo man hintritt, denn sonst versinkt man im Nu in einem der versteckten Tümpel.

Schliesslich erreichen wir eine nette aber ziemlich feuchte Hochebene. An einer der wenigen trockenen Stellen wird ein Picknick gereicht, um die geplagten Wanderer zu besänftigen. “Da geh ich nicht wieder runter”, lautet der einhellige Tenor der Touristen

Wir suchen nach einem anderen Ausweg. Doch es zeigt sich, dass wir uns in einer Einbahnstraße befinden. Es bleibt uns also nix anderes übrig, als weiter den roten Punkten zu folgen. Von der Hochebene aus gibt es einen “Weg” nach unten (von da sind wir gekommen) und sonst geht es weiter bergauf in Richtung Bergkamm. Immerhin wird der Untergrund etwas felsiger … damit isses von unten nicht mehr ganz so feucht. Wir folgen den Punkten bergauf und gelangen schließlich zum Gipfel.

Die Aussicht ist nicht mehr wirklich wichtig. Man will einfach nur noch nach Hause.
Stimmung: mies
Die roten Punkte weisen den Weg … über den nächsten Gipfel .. und noch einen und noch einen …

Als wir uns gerade auf der zweiten Anhöhe befinden, frischt der Wind auf und es dauert nicht lange, da beginnt es aus Eimern zu schütten. Wir sind nun nicht mehr nur von unten, sondern vor allem auch von oben nass. Die Regenschutzkleidung hat ihren Dienst alsbald eingestellt. Dafür gesellt sich dicker Nebel hinzu, so dass man keine 50 Meter mehr schauen kann.

Immerhin sieht man so wenigstens nicht, was noch vor uns liegt … an dieser Stelle lernen wir die zahlreichen Farbkleckse an Steinen und Sträuchern schätzen. Die Richtung stimmt, aber die Stimmung ist endgültig im Eimer. Alles Klagen hilft jedoch nix. Wir beissen die Zähne zusammen und stiefeln gut durchfeuchtet dem Ende der Tor-Tour entgegen.

Der Anblick unserer kleinen Wandergruppe erinnert ein wenig an “Die Gefährten” aus “Der Herr der Ringe”, wie sie unverdrossen bei Wind und Wetter über die Gebirgskämme marschieren.

Irgendwann senkt sich das Gelände wieder. Und ebenso schnell wie Nebel und Regen gekommen waren, sind sie Kollegen wieder verschwunden. Vor uns breiten sich Wald und Wiese aus … die Berge liegen hinter uns, der Abstieg kann beginnen. Wir sind inzwischen knapp 4 Stunden unterwegs. Über einen vergleichsweise gut begehbaren Waldweg gelangen wir schliesslich wieder ins Tal auf eine Sauwiese (Sau = Schaf). Leider liegt diese gut 4 km von unserem Auto entfernt … SUPER! Aber nach dem eben erlebten macht das nun auch nix mehr.
Nach diesem Gewaltakt haben sich die Littmänner das Abendessen wirklich verdient. Sie haben tapfer durchgehalten … was blieb ihnen auch anderes übrig???
Und wir haben mal wieder gelernt, dass man auf norwegische Tourbeschreibungen nicht wirklich vertrauen sollte. Zukünftig werden wir wohl wieder auf bekannte Touren zurückgreifen, wenn wir unsere Urlauber in die traumhafte Landschaft Norwegens führen.
