Donnerstag, 14. August 2008

Bratwurst, Sauerkraut und Vanilleeis

Anläßlich unseres Einjährigen hatten wir Freunde und Kollegen, welche uns während der vergangenen Monate begleitet haben zu einem “Ett År i Norge-Grillfest” eingeladen.

Schon die Vorbereitungen waren ziemlich aufregend. Einerseits war der Regenfaktor bis zuletzt mehr als unsicher. Andererseits sollten gerade hier auf einer Party Getränke mit einigen Prozenten keinesfalls fehlen. Deshalb waren wir zum ersten Mal im Vinmonopol einkaufen.

Hier in Norwegen gibt es im “normalen” Supermarkt außer Bier keine alkoholischen Getränken zu kaufen (und das auch nur bis 18:00 Uhr). Ganz gleich ob Wein, Sekt oder härtere Sachen – all das bekommt man nur im Vinmonopol. Es ist also nicht möglich, mal eben zur Tanke zu fahren und noch ein paar Bier zu holen, wenn im Laufe des Abends die Getränke ausgehen. Zudem ist Hochprozentiges auch reichlich hochpreisig. Deshalb ist gute Planung angesagt.

Zu einem Grillfest bei Deutschen erwarteten die Gäste selbstverständlich auch was typisch Deutsches. Diese Erwartungen wollten wir natürlich nicht enttäuschen. Glücklicherweise haben unsere netten Besucher jeweils reichlich deutsche Leckereien mitgebracht. So gab es deutsche Bratwurst, Kartoffelsalat nach sächsischer Art, echt saures deutsches Sauerkraut, Schaschliks, Beefsteaks, B-Bemmen, Knobibutter und Schlammbowle.

Anfangs kam die Feier etwas träge in Gang, denn die Gäste verspäteten sich geschlossen. Fast mussten wir annehmen, dass wir all das lecker Grillgut selber verdrücken müssten. Aber schließlich trudelten so nach und nach doch noch alle ein. Und wir haben wieder eine Lektion “Leben in Norwegen – ganz praktisch” gelernt. Wenn man nämlich zum Essen einlädt, dann ist um 6 eine ganz schlechte Zeit. Um 6 wird in Norwegen nicht gegessen! Allerdings waren die Aussagen bezüglich des optimalen Beginns eines Grillfestes ziemlich widersprüchlich.

Appropos Grillfest – in Deutschland würde wohl jeder der auf ein Grillfest eingeladen wird erwarten, dass es auch was zu Essen gibt. Nicht so hier. Einige kamen gut gesättigt zum Fest und waren dann einigermassen traurig, dass sie nicht alles probieren konnten. Andere hatten noch nicht gegessen und deshalb ihre eigenen Grillsachen mitgebracht. Es ist wohl üblich, dass sowohl Getränke als auch Essen mitgebracht werden. Das mit den Getränke war uns bekannt, die Sache mit dem Essen jedoch nicht. Und so haben wir nach dem Fest wieder genug Vorrat für mindestens noch eine Feier ;)

Die deutschen Leckereien kamen übrigens sehr gut an. Das hat mich ehrlich gesagt doch ein wenig überrascht. Immerhin sind die hiesigen Grillpølser etwas völlig anderes als die leckeren Roster vom Fleischer. Der absolute Renner bei unserer ausschließlich norwegischen Kundschaft war jedoch die Schlammbowle (Früchte, Wodka, Sekt und Vanilleeis vermengt in einem großen Eimer). Die anfängliche Skepsis aufgrund des Aussehens war jedoch schnell weggespühlt – getreu dem Motto: egal wie’s aussieht, Hauptsache es wirkt ;)

Der Abend wurde lang, sehr lang und sehr lustig. Je weniger Bowle im Eimer war, desto besser war die Stimmung. Schliesslich wurde getanzt und selbst deutsche Schlager wurden “mitgesungen”. Auf diese Weise dauerte das Vorspiel* bis fast zum Schankschluß, so dass sich für die letzten Gäste ein Abstecher in die City nicht mehr wirklich lohnte.

Am Montag wurde das Fest vom Wochenende natürlich nochmal aufgearbeitet. Dabei haben wir ganz gut abgeschnitten. Aber vor allem die Bowle blieb in Erinnerung … denn die hatte es auch für trinkfeste Norweger ganz schön in sich ;)

SKÃ…L – auf das nächste Jahr!

*Vorspiel = die Party vor der Party. Gewöhnlich glüht der Norweger schon mal kräftig vor, bevor er am Samstagabend zum Feiern/Weitertrinken in die City aufbricht. Natürlich gibt es (falls notwendig) aus ein Nachspiel … das führt gewöhnlich zum endgültigen Absturz

PS.: Bilddokumente bleiben aus Gründen der Menschenwürde unveröffentlicht ;)

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