Montag, 18. August 2008
Einmal bis zum Mond und zurück.
“Am Wochenende kehrt der Sommer zurück” hieß es diese Woche in der Zeitung. Und tatsächlich strahlte Klärchen was das Zeug hielt. Für uns also die passende Gelegenheit, uns der wohl heftigsten Tur-Herausforderung zu stellen, welche die nähere Umgegend zu bieten hat. Den Aufstieg zum Kjerag.

Der Kjerag ist neben dem Preikestolen die wohl bekannteste Naturattraktion im/am Lysefjord, beliebtes Ausflugsziel und Fotomotiv. Daher war nicht anzunehmen, dass wir allein auf dem Weg dorthin sein werden. Also machten wir uns verhältnismäßig früh auf den Weg, denn immerhin stand uns eine gut 2,5 stündige Anfahrt bevor. Von Sola aus ging es über Sirdal, Sinnes und Fidjeland in Richtung Lysebotn bis zum Øygardstøl. Schon allein diese Fahrt hat landschaftlich einiges zu bieten. Allerdings kamen wir uns manchmal ganz schön verloren vor, denn auf den Straßen ins Gebirge war nix los. Kaum dass wir einer Menschenseele begegneten … da können 120 km ganz schön lang werden.

Doch während die Straßen fast menschenleer waren, so gabs es dann auf dem Parkplatz am Fuße der Kjeragtur mehr als genug davon. Wie wir richtig vermutet hatten, sollten wir auf unserem Weg zum Kjerag nicht alleine sein. Wir hatten nicht wirklich eine Vorstellung davon, was uns bevorsteht. Doch da sich sowohl Große und Kleine, Alte und Junge auf den Weg machten, war uns nicht wirklich bange. Das Streckenprofil versprach auf den kommenden 6 km ein munteres Auf und Ab.

Kaum waren wir die ersten Meter gegangen, ging es auch schon auf blankem Fels steil bergan. Schon der Einstieg wäre ohne die angebrachten Kletterhilfen nur schwer zu meistern gewesen. Derartige Einrichtungen waren wir ja für kurze Stücke schon gewohnt, aber hier ging es fast eine 3/4 Stunde an Ketten bergauf.

Am Gipfel angekommen, eröffnete sich auf der einen Seite ein atemberaubender Ausblick in den Lysefjord. In der anderen Richtung war ein grünes Tal zu sehen, welches von steilen Felswänden umgeben wurde. Anhand der bunten Perlenkette, welche sich hüben hinunter und an der gegenüberliegenden Wand wieder hinaufschlängelte, konnten wir erkennen, wohin uns unser weiterer Weg führen sollte.

Also stiegen wir wieder abwärts, um nach kurzem Marsch über einen hölzernen Trampelpfad den nächsten Anstieg in Angriff zu nehmen. Die Sonne lachte vom blauen Himmel. Die Luft war knapp 16° warm und wir kamen mächtig ins schnaufen.

Das Ganze wiederholte sich dann nocheinmal, eher wir auf einer glatten Felsebene ankamen. Dieser Anblick hatte etwas unwirkliches … eine riesige glattgeschliffene Felstafel, leicht in Richtung Fjord abfallend, von wo aus es dann 1000 Meter grade runter geht.

Vereinzelt wurde die Ebene von Schluchten durchzogen, in denen sich stellenweise hartnäckig die Reste des letzten Winters hielten.

In dieser Mondlandschaft ging es noch einige Kilometer gerade aus, vorbei an unzähligen Trolltürmchen, bis wir irgendwann an ein Schild kamen, welches in drei verschiedene Richtungen wies. Jedoch schien keines der Schilder zum Ziel zu führen. Weit und breit war nur ebener Fels zu sehen. Schließlich folgten wir dem Wegweiser Richtung Kjeragbolten und landeten in einer Schlucht, in der sich ein etwas breiteres Rinnsal seinen Weg in die Tiefe bahnte. Da zahlreiche Wanderer in dieser Schlucht auf- bzw. abwärts kraxelten, schlossen wir uns wie Lemminge an und gelangten schliesslich tatsächlich zum Kjeragbolten.
Dort erinnerte einiges an das Plateau am Preikestolen. Zahlreiche Menschen hatten sich in der Nähe einer Felskante zum Picknick niedergelassen, von der aus es mehrere hundert Meter in die Tiefe geht. Und doch war es ganz anders. Es waren keine Einweggrills zu sehen. Dafür gab es eine lange Schlange, als ob irgendwo Gratis-Bananen verteilt würden. Tatsächlich standen die Menschen jedoch an, um DAS Kjerag-Foto zu schiessen!

Nachdem auch unser Foto im Kasten war, machten wir uns auf den Rückweg. Bis dahin hatten wir erfolgreich verdrängt, dass wir den gleichen Weg auch wieder zurück mussten. Aber Rückwärts gehts ja immer schneller
Neeee, gehts nicht! Denn auf blankem Fels abwärts zu marschieren ist nicht wirklich einfach. Da brannten die Schenkel und die große Fußzehe schien sich immer weiter durch den Schuh zu bohren. Der Abstieg war echt heftig und um einiges anstrengender als der Aufstieg.

Aber durchtrainiert wie wir nunmal sind
haben wir auch das gemeistert. Auch wenn wir danach ziemlich geschafft waren. Da hatten wir uns Kaffee und Apfelkuchen im Panoramarestaurant wirklich verdient. Das hatte zu unserem Glück und ganz norwegenuntypisch auch 18:00 Uhr noch geöffnet. Dummerweise verpassten wir beim Schlemmen die letzte Fähre nach Stavanger. Und so blieb uns nix anderes übrig, als den Heimweg wieder auf der Straße zurückzulegen.

Dies war ohne Zweifel die bisher anspruchsvollste Tour, die wir unternommen haben. Extrem anstrengend und dennoch traumhaft schön. Die atemberaubenden Ausblicke etschädigten vollkomen für die Strapazen. Diese machten sich dann einen Tag später erst so richtig in Form von Muskelkarter und weichen Knieen bemerkbar.
HINWEIS FÜR NORWEGENTOURISTEN:
Diese Tour ist nix für Warmduscher und nur bei absolut trockenem Wetter und mit festem, gut griffigem Schuhwerk zu bewältigen.
