Freitag, 19. September 2008
Etappe 6 – Angriff der Steinzeitkiller
Man kan nicht in Alta weilen, ohne nicht wenigstens einen kurzen Blick auf die weltbekannten Felszeichnungen zu werfen. Deshalb führte uns unser erster Weg an diesem sonnigen Tag gleich nach Frühstück ins Alta-Museum.

Dort wird wieder sehr schön aufbereitet über die Entdeckung der Felszeichnungen, den Kupferbergbau, den Streit um den Alta-Staudamm, die Finnmark zu Kriegszeiten und andere lokalhistorisch bedeutsame Sachverhalte berichtet. Doch das ist alles nur Vorspiel, denn das eigentlich Wichtige ist draußen zu finden. Ein sehr schön angelegter Rundweg führt zu verschiedenen Stationen mit unzählichen Felsmalereien.

Großteils sind die Zeichnungen farbig gekennzeichnet, aber es sind auch noch reichlich unbehandelte Zeichnungen zu finden, so daß man als Besucher immer wieder das Gefühl hat, etwas Neues zu entdecken.

Es ist kaum vorstellbar, wie produktiv und kreativ die Menschen damals waren. Was aber noch viel unglaublicher ist, an der Lage der Zeichnungen kann man ablesen, wo hoch einst der Meeresspiegel stand. Wenn man heute von den obersten Zeichnungen zum Meer schaut, so liegen da ganz bestimmt 50 und mehr Höhenmeter dazwischen.

Beim Deuten der Zeichnungen kann man eine ganze Weile zubringen. So war es schon weit nach Mittag als wir das Museum wieder verliesen.

Diesmal allerdings ging es nicht direkt nach Norden. Vielmehr bogen wir nach Süden ab. Nachdem uns die E6 auf den bisherigen Kilometern schon unzählige Fasetten von Landschaft und Natur beschert hat, wollten wir Nordeuropas größtem Canyon einen Besuch abstatten.
Leider war uns die Anfahrt zum Canyon ein wenig unklar. Deswegen fragten wir in der Gargia-Fjellstua nach dem Weg. Dort beäugte man uns ein wenig skeptisch, statte uns aber dennoch mit der letzten vorhandenen Kopie der Wanderkarte aus. Die Skepsis rührte eventuell daher, dass zu dieser Jahreszeit (Anfang Winter) Touristen dort eher selten sind. Oder aber man zweifelte einfach nur daran, dass wir mit unserem japanischen Straßenfloh den Parkplatz und somit den Ausgangspunkt der Wanderung erreichen. Uns wars egal und so machten wir uns unbeirrt auf den Weg. Doch schon bald mussten wir erkennen, dass die Skepsis wohl berechtigt war, denn aus der anfänglich asphaltierten Straße wurde ein ausgespühlter und sehr steiniger Weg. Da wir unserem treuen Begleiter keine größeren Schäden zufügen wollten, parkten wir am Wegesrand und machten uns zu Fuß auf den Weg. Es ging ein gutes Stück (3/4 Stunde) bergauf, ehe wir am “Parkplatz” (ein ebenes Stück Fels) angekommen waren.

Von dort ging es ziemlich flach über eine Hochebene. Felsige Passagen wechselten mit sumpfigen Trampelpfaden. Das Ziel war weithin sichtbar, der Wind pustete recht kräftig und dadurch erschien die Wanderung viel länger als gedacht. Gut zwei Stunden waren wir unterwegs, ehe wir den Ausblick auf/in den Sautso-Canyon genießen konnten.

Mit dieser Aussicht ließen wir uns zur Rast nieder. Doch im gleichen Moment, in dem wir den Rucksack abstellten, um die mitgebrachte Wegzehrung hervorzukramen, wurden wir von unzähligen fliegenden Riesenviechern überfallen. Es schien, als hätten diese aggressiven Finnmark-Riesenkampfmücken seit Tagen auf die passenden Opfer gewartet. Wie wild stürzten sie sich auf uns. Wir vermummten uns so gut es ging mit Jacke und Kapuze. Hier zeigte sich einmal mehr, wie praktisch wind- und regenfeste Kleidung ist. Diese schützt nämlich auch vor stechenden Bestien. Natürlich machten wir uns schnellstmöglich wieder aus dem Staub und konnten somit den Ausblick nur kurz geniessen.

Unsere Schnittchen verdrückten wir auf dem Rückweg. Der Wind hatte sich inzwischen gelegt, aber dafür war der Himmel inzwischen kräftig bewölkt und es roch nach Regen. Unterwegs begegneten wir noch einem etwas abgewandelten, aber wohl für diese Gegend typischen Fortbewegungsmittel.

Trockenen Fußes kamen wir am Auto an und machten uns gleich auf den Weg. Natürlich mussten wir zunächst zurück nach Alta, wo wir auf unsere E6 einbogen, die uns weiter nordwärts geleiten sollte. Anfangs ging es am Altafjord entlang, ehe die Straße von der Küste weg ins Land führte. Dort schlängelte sie sich ins Gebirge, um sich dort in einem schnurgeraden Band kilometerweit über eine wellige Hochebene zu ziehen.

Schließlich kamen wir nach Skaidi. Dort ging es nach links in Richtung Hammerfest, unsere erste Station der Heimreise oder nach rechts Richtung Nordkap. Natürlich sind wir recht abgebogen, da wir unser Ziel noch nicht erreicht hatten. Aber wir waren ihm nun schon ziemlich nahe. Es war schon dunkel, als wir nach Russenes kamen, wo wir im Olderfjord-Camping-Hotel unser Quartier bezogen. Ein spartanisches Zimmer im Jugenherbergs/Ferienlagerstil. Im Vergleich zum Zimmer der vorherigen Nacht in Alta ein ziemlicher Kontrast, aber dafür stimmte hier der Service.
Wir hatten uns ein wenig verspätet und deshalb war die Küche schon geschlossen. Das war der Chefin sehr unangenehm und deshalb durften wir uns am “Kühlschrank” selbst bedienen. Die Auswahl war groß, so dass wir gut gesättigt und geschafft von unserer Tour ins Bett fielen.
Bewertung:
