Mittwoch, 15. Oktober 2008

Penger, penger, penger

Kaum ein Thema hat die Schlagzeilen der letzen Tage und Wochen so dominiert, wie das Thema Geld. Finanzkrise, Börsencrash, Bankenpleite – all das macht natürlich auch vor Norwegen nicht halt. Zwar sind hier meines Wissens noch keine Banken pleite gegangen, dennoch sind die Auswirkungen auch hier sehr deutlich. Da werden auch die sonst so gelassenen Norweger ein wenig panisch … einige deshalb, weil sie ein paar Krönchen an der Börse verloren haben, aber die meisten doch deshalb, weil die Kreditraten kräftig erhöht wurden.

Kredite sind für viele Norweger so normal wie die Luft zum Atmen – Haus, Auto, Hütte, Boot … alles ganz normal und meist auf Pump. Da ist das monatliche Budget gerne mal bis auf die letzte Krone ausgereizt. Doch wenn sich dann die monatlichen Raten mal eben fast verdoppeln bekommt man auch hier dicke Schweißperlen auf der Stirn. Und so setzen viele Norweger große Hoffnungen in das staatliche Rettungspaket, welches auch hier gerade geschnürt wurde.

Aber Krise hin oder her … da müssen wohl die Deutschen genau wie die Norweger den Gürtel (noch) ein bisschen enger schnallen. Und mitten in dieser Krisenstimmung geschieht hier etwas, was in Deutschland schier undenkbar wäre. Und sollte es doch passieren, würden ganz bestimmt Köpfe rollen.

Heute wurden hier die Steuerlisten des vergangenen Jahres veröffentlicht! In allen Nachrichten und Zeitungen waren heute Aufmacher in der Form “Soviel verdient dein Nachbar/Chef/Kollege ….” zu finden. In zahlreichen Berichten wird verglichen und analysiert … wer verdient wieviel und warum kriegt jener mehr als ein anderer. Die Steuerlisten sind frei zugänglich und so kann jeder schauen, was der andere verdient, bzw. welche Ersparnisse bei der Steuer angerechnet wurden. Man stelle sich das mal in Deutschland vor … wenn die Gehälter der Herren und Frauen Manager, Politiker, Profisportler, (…) veröffentlicht würden … ich sehe die Bild-Schlagzeilen förmlich vor mir.

Hier geht man damit viel lockerer um. Natürlich wird auch hier diskutiert, ob das so in Ordnung ist. Aber so wie man sich heute darüber aufregt, so ist das morgen wahrscheinlich schon wieder vergessen. Da dominieren wieder andere Schlagzeilen über Raten, Kredite und Wohnungspreise.

2 Kommentare zum Beitrag “Penger, penger, penger”

  1. elsbesen schrieb am 15. Oktober 2008 um 20:10 Uhr:

    davon hatte ich auch schon häufiger gehört, dass die Steuerlisten in der Zeitung veröffentlicht werden und dass das Ganze in Norwegen mehr oder weniger normal ist. Weisst du wie lange die das schon praktizieren? Und ob es da auch richtig Ärger drüber gibt?

    Viele Grüße aus ‘Schland,
    besen

    ANTWORT: Es ist nicht gerade so, dass die Zeitungen Sonderbeilagen drucken, in denen alle Norweger aufgelistet stehen. Man kan jedoch im Internet danach suchen und die Presse veröffentlicht gerne Übersichten, was einzelne Promis aus Wirtschaft, Politik, Sport und Kultur eingesackt haben. Darüber wird natürlich heftig diskutiert. Nicht unbedingt über die Tatsache, dass die Listen veröffentlicht werden, sondern viel mehr über die Art und Weise. Daran dass die Listen überhaupt veröffentlicht werden stören sich noch die wenigsten. Das ist wohl hier schon immer so (O-Ton mehrerer befragter Einheimischer) Viele stören sich vielmehr daran, dass man die Listen im Internet frei einsehen kann ohne sich dafür irgendwie registrieren zu müssen.

  2. Pema schrieb am 30. Januar 2009 um 10:01 Uhr:

    Na ja, der Aufreger war ja nicht, DASS die Steuerlisten im Internet veröffentlich wurden. Das ist ja wirklich schon “normal” und auch jetzt kann man nach wie vor einen beliebigen Namen eingeben und erfährt, wie viel Vermögen wer hat, was er verdiente und wie viel Steuern er im letzten Jahr berappen durfte.

    Das, worüber sich wirklich aufgeregt wurde, war doch, dass zu diesen ganzen Daten auch noch die fødselsnummeren veröffentlicht wurden. Somit konnte man auch noch sehen, wann Derjenige geboren wurde. Da über die P-Nummer (so wird sie allgemeinhin von den Auswanderern benannt) schon viel an Mißbrauch geschehen ist (Identitätsklau), war das natürlich ein Skandal, der durch die Presse ging.

    Die fødselsnummeren wurden inzwischen wieder entfernt und alles geht seinen “normalen Gang”.

    Hilsen Pema

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