Donnerstag, 11. Dezember 2008

Schluss mit Kultur

Am Samstag stand nun also der große Abschluss des Kulturjahres in Stavanger auf dem Plan. Den ganzen Tag wurde überall in der Stadt gesungen, getanzt und musiziert … in Schulen, auf der Straße, in Parkhäusern. Schließlich versammelten sich alle auf dem Markt um bei der großen Abschlussfeier dabeizusein. Bei frostigen Graden versammelten sich einige Tausend Neugierige rund um Skagen- und Strandkai. Schon die Aufbauarbeiten hatten im Vorfeld für einiges Aufsehen gesorgt und so wollten sich viele nicht entgehen lassen, wass denn diese geheimnisvolle Kugel darstellen sollte.

abschluss2008_2.jpg

Punkt 18:00 gings los. Hunderte Sänger hatten auf 3 Bühnen Aufstellung genommen, um die Veranstaltung musikalisch zu begleiten. Scheinwerfer durchbrachen die Dunkelheit, leicht abenteuerlich klingende Gesänge lies die Wartenden verstummen und kurz darauf erstrahlte auch die geheimnisvolle Kugel in allen möglichen Farben. Sie diente als Leinwand, auf die Bilder von verschiedenen Veranstaltungen aus dem Stavanger2008-Programm projiziert wurden. Eine tolle Idee, wie ich fand, zusammen mit dem Lichtarrangement, den Chören und pyrotechnischen Effekten … ein würdiger Abschluss. Mittendrin schwebte dann auch noch der “strahlende” (oder besser gesagt beleuchtete) “Grundstein” für das neue Konzerthaus per Helikopter über die Köpfe der Menschen.

abschluss2008_1.jpg

Fotos geborgt bei aftenbladet.no

Schließlich verließ ein engelsgleich beleuchtetes Segelschiff den Hafen um brach symbolisch gesehen zu neuen Ufern auf.  Denn genau so blicken die Stadtväter auf das Ereignis Kulturhauptstadt 2008 zurück … ein großer Erfolg, aber nur der Anfang, um Stavanger als Kulturzentrum zu etablieren.

Gleich nach Abschluss der Veranstaltung machten sich die Medienvertreter daran, überall Stimmen und Meinungen zum Kulturjahr einzuholen. Während die Verantwortlichen ausnahmslos ein positives Resümee zogen, gab es doch auch viele kritische Stimmen. Besonders die Kulturskeptiker meldeten sich wieder zu Wort, welche das Ganze als reine Geldverschwendung betrachteten (und Kultur wohl immer als dieses betrachten werden). Immerhin wurden sie in dieser Woche “entwaffnet”, denn ihr wichtigstes Argument (Geldverschwendung) hat keine Gültigkeit mehr. Denn nach ersten Schätzungen hat Stavanger2008 ein positives finanzielles Ergebnis erzielt.

Aber auch ich sehe das Ganze nicht ganz so positiv wie viele der Stadtoberen. Zwar hat sich im letzten Jahr in der Stadt einiges getan und es wurde vieles geboten. Ich bin dennoch überzeugt, dass eines der wichtigsten Ziele, nämlich die Menschen mitzureissen und noch mehr für zu begeistern, nicht erreicht wurde. Ich hatte den Eindruck, dass man sich auf einige wenige “Leuchttürme” konzentriert hat. Diese wurden großflächig beworben und bekannt gemacht, während andere kleinere Veranstaltungen eher im “Neben- bzw. Vorprogramm” stattfanden. Außerdem fehlte es meiner Meinung nach an “Kultur fürs normale Volk”. Viele Veranstaltungen erschienen mir schon reichlich “abgehoben” (es passierte tatsächlich auch Vieles oberhalb des Erdbodens) oder besser gesagt sehr speziell/extravagant, so dass wohl die weniger Kulturinteressierten nicht allzu viel damit anfangen konnten. Publikumswirksame Veranstaltungen wie Rock-/Popkonzerte mit internationalen Größen fehlten hingegen völlig. Es ist zwar durchaus löblich, dass vielen einheimischen und eher unbekannteren Künstlern eine Bühne geboten wurde, aber ein wenig internationaler Glanz hätte sicher nicht geschadet und vielleicht zu noch mehr Akteptanz bei der Bevölkerung beigetragen. Aber wie rund um die Abschlussveranstaltung immer wieder betont wurde, war das Ende erst der Anfang … und vielleicht tut sich

Bilder von der Abschlussveranstaltung:
http://www.aftenbladet.no/kultur/2008/article957808.ece
http://www.aftenbladet.no/bildegallerier/article957874.ece
http://www.rogalandsavis.no/bilder/article3971837.ece?token=&start=0&serie=0

http://www.aftenbladet.no/kultur/2008/958686/Stavanger_2008__faar_millionoverskot.html

Kommentar zu diesem Beitrag schreiben