Donnerstag, 09. April 2009
Alles eine Frage der Ei-stellung
Es ist Ostern Norwegen. Und das kan man hier gar nicht verpassen. Wenn am Montag vor Ostern dort, wo sich sonst Fahrzeuge zu tausenden in bunten Staus versammeln nur noch vereinzelte Fahrzeuge kreuzen — wenn am Dienstag die Zeitung den doppelten Umfang und dabei den Informationsgehalt auf gut 20 Prozent reduziert hat (wer interessiert sich zu Ostern schon für Sport und Politik?)Â und den Rest dafür mit Kreuzworträtseln, Quiz, Sudokus und Kriminalromanen auffüllt — wenn dann am Mittwoch die Busse nur noch im Ostermodus verkehren (“Wo bleibt denn nur der Bus?”) und Supermärkte, welche normalerweise fast rund um die Uhr geöffnet sind die Schotten schon um 16:00 Uhr dicht machen und die Stadt danach wie ausgestorben scheint, dann ist Ostern in Norwegen.
Ich finde es echt faszinierend, wie sich das ganzes Land kollektiv in den Urlaub verabschiedet. Es dreht sich einfach nix mehr. Es ist so, als wenn hier einfach jemand den grossen Stecker zieht und schon steht die Zeit still. Typischerweise verbringt man in Norwegen die Osterfeiertage und die Woche davor – da sind in der Regel Schulferien – auf der Hütte im Gebirge. Ausgestattet mit reichlich Kvikklunsj (sowas wie KitKat – quasi der Schmunzelhase Norwegens), Apfelsinen, Lammkeule, Rätselheft und Krimi – nutzt man die Gelegenheit zur letzten gemeinsamen Skitur mit der Familie. Bräuche wie Ostereiersuchen oder gar den Osterhasen kennt man hier dagegen nicht.
Wenn man allerdings ein bisschen aufmerksam durch die auch hier übliche Haushaltsreklame blättert erlebt man eine Art DejaVu. Irgendwie erinnert das Osterangebot vom Supermarkt um die Ecke ganz stark an das vom letzten Weihnachten. Nur dass es nun beispielsweise statt Juleribbe (Weihnachtsrippchen XXL)Â und Julemarzipan die PÅskeribbe (Osterrippchen XXL) und PÅskemarzipan im Sonderangebot gibt. Man ist offensichtlich sehr flexibel, was Bezeichnung der Festtagsleckereien angeht.
Eine weitere Osterbesonderheit in Norwegen sind die Feiertage. Selbst wenn man nicht im Gebirge weilt, beginnen die Osterfeierlichkeiten ein gutes Stück früher. Der Mittwoch vor Ostern ist üblicherweise nur ein halber Arbeitstag und der Gründonnerstag (Skjærtordag) ist genereller Feiertag. Karfreitag (Langfredag) und Ostermontag (2. PÅskedag) sind Feiertage genau wie in Deutschland.
Den heutigen Feiertag haben wir zum vorerst letzten Arbeitseinsatz in unserem neuen Heim genutzt. Es gab noch ein paar Kleinigkeiten zu richten, welche sich aufgrund norwegischer Bauweise gerne mal als etwas größere Kleinigkeit herausstellt. Aber egal, wir habend das Haus nun in Osterform gebracht – PÅskelilien (Narzissen) stehen parat und nun warten wir nur noch auf den angekündigten Sonnenschein.
In diesem Sinne frohe Ostern und viel Erfolg bei der Eiersuche!
