Donnerstag, 28. Januar 2010
Eiszeit
Man muss wirklich schon ein gutes Stück in den Geschichtsbüchern zurückblättern, um einen Hinweis auf einen ähnlich langen, intensiven Winter zu finden, wie wir ihn gerade erlebten oder noch erleben. Die Alteingeborenen sagen, es muss wohl Anfang der 80er Jahre gewesen sein, als es zum letzten Mal so lange so kalt war.

Eines Tages noch vor Weihnachten fielen mit einem Mal Unmengen Schnee … das ist nun gut 6 Wochen her. Seitdem waren es fast durchweg einige Grade unter Null. Das sorgte natürlich einerseits für Freude – hatte doch die Stadt sämtliche Seen der Umgegend (und da sind einige recht große dabei) zum Eislaufen freigegeben. Dazu muss das Eis mindestens 15cm dick sein. Das war es demnach wohl auch, so dass die Menschen in die Geschäfte strömten, um Schlittschuhe zu kaufen. Diese waren dann auch über Wochen immer wieder ausverkauft (wir haben übrigens keine gekauft … wir wollten nicht).
Aber eine solche Kälteperiode sorgt natürlich auch für Probleme … gerade hierzulande, wo man richtigen Winter eigentlich nicht gewöhnt ist. Und so tat sich die Stadt auch sehr schwer, in den ersten Tagen nach dem Schneefall die Straßen und Wege begeh- oder befahrbahr zu halten. Normalerweise erledigt sich hier ein Schneeproblem nach spätestens 2 Tagen von selbst. Doch dieses Jahr war alles anders. Ganze 9 Personen waren damit beschäftigt, die Stadt zu beräumen. Dementsprechend lange dauerte es dann auch, ehe man auf den Straßen wieder vernünftig vorwärts kam. In so einem Fall ist es dann natürlich nicht unbedingt von Vorteil, wenn man in einer eher wenig befahrenen Nebenstraße mit traumhafter Aussicht wohnt. Zentimetertiefe Fahrrinnen und Eislöcher waren keine Seltenheit – armes Auto.

Aufgrund der anhaltenden Kälte drehte sich aber auch auf den Baustellen der Stadt kein Rad. Schließlich wurden die Baufirmen mit ihrem schweren Gerät zum Räumdienst beordert. Da wurden Schnee und Eis mit Baggern bearbeitet und lastwagenweise zu einer Industriebrache abtransportiert. Und so geschah es vor knapp 1,5 Wochen, dass wir morgens von Traktorenlärm geweckt wurden – wohlgemerkt unter der Woche, also noch vor 6 Uhr!

Positiv an dieser Wetterlage war, dass wir fast durchweg 6 Wochen herrliches Wetter hatten. Dadurch gab es allerdings auch keinen Schneenachschub, so dass das, was zu Anfang gefallen war, bald nicht mehr wirklich weiß und nach Schnee aussah. Braun – grau vom Dreck der Straße und kräftig vereist – nicht wirklich schön.
Inzwischen ist die Wettersituation wieder ein wenig instabil. Als es gestern Nacht zu regnen begann, verflüchtigten sich vielerorts die hartnäckigen Überreste der Großmaschinenberäumungsaktion. Dumm nur dass es kurz darauf wieder kalt wurde und ein bisschen schneite und wieder die Sonne rauskam und dann wieder Regen. Heute morgen war der Arbeitsweg dann auch der berühmte Tanz auf rohen Eiern. Aber zum Glück ging alles glatt … äh gut. Die Zwischensonnenphasen gaben dann auch schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Frühling, der hoffentlich bald den alten Winter in die rauhen Berge zurückschickt. Langsam wird es wirklich Zeit für Bootswetter
