Mittwoch, 03. März 2010

Großes Theater

Kaum sind die Olympischen Winterspiele vorbei, die Norweger war letztenendes recht erfolgreich und zufrieden, auch wenn sie am Ende in der Medallienwertung nicht ganz an Deutschland vorbei kamen – schon wirft das nächste Wintersportgroßereignis seine Schatten voraus. Im nächsten Jahr findet die Ski-WM in Oslo statt. Zentraler Austragungsort der Wettkämpfe wird dann wie schon 1952 zur Olympiade der Holmenkollen sein.

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Der Berg ist sicher nicht der höchste Berg Norwegens, aber mit Sicherheit einer der bekanntesten und mit seiner charakteristischen Skisprunganlage einer der markantesten Punkte der Stadt. Und gerade um diese Sprungschanze gibt es in letzter Zeit immer wieder großes Theater.

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Der “alte” Holmenkollen als Wahrzeichen Oslos bei unserem Besuch vor fünf Jahren

Da die alte Anlage den internationalen Bestimmungen nicht mehr genügte, musste eine neue Schanze her. Und schon damit begann das Theater. Die Holmenkollenschanze abreissen und damit ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt? Nach einigem Hin- und Her wurde der Abriss beschlossen und ein Architekturwettbewerb veranstaltet, aus dem ein dänisches Büro (JDS – eine fürchterliche Webseite haben die) als Sieger hervorging.

Im Frühjahr 2008 begann man mit reichlich Wehmut und viel Tamtam den Abriss des alten Schanzenturmes, um schon bald an gleicher Stelle einen neuen Prachtbau zu errichten. Doch auch das ging nicht gerade geräusch- und reibungslos vonstatten. So standen am 17. Oktober 2008 während der Abrissarbeiten die Überreste des Turmes in Flammen und brannten wie eine Fackel über der Stadt.

Doch auch der Neubau sorgte für reichlich Theater … immer wieder wurde an den Plänen herumgebastelt, um Kosten zu sparen. Zwischenzeitlich wurde sogar darüber nachgedacht, die Scheinwerfer am Schanzenturm, welche das Profil der Anlage gen Himmel verlängern sollten, einfach wegzulassen. Allen Einsparungsplänen zum Trotz sprengte der Neubau das Budget um mehrere hundert Millionen Kronen. Dafür rollten dann wohl auch einige Köpfe in der Stadtverwaltung.

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Illustration: Oslo Kommune

Heute nun wird der neue Holmenkollenbakken offiziell eröffnet und damit wohl auch das vorerst letzte Kapitel im Holmenkollendrama geschrieben. Doch wie es sich für gutes Theater gehört, hat es der letzte Akt noch einmal in sich.

Lange Zeit wurde gerätselt, beratschlagt, abgestimmt und spekuliert, wem denn die Ehre zuteil wird, den geschichtsträchtigen ersten Sprung von der neuen Schanze zu wagen. Letztlich fiel die Wahl auf Anette Sagen, Norwegens bekannteste (das gilt nicht für mich) und erfolgreichste Skispringerin  (bis vor kurzem war mir nicht mal klar, dass es Frauenskispringen gibt) und zudem Schanzenrekordhalterinauf der alten Anlage. Diese Entscheidung sorgte natürlich für zweigeteiltes Echo – Freude, einerseits, Zweifel und Unverständnis auf der anderen.

Gestern dann platzte die Bombe. Plötzlich standen 12 Testspringer am Anlauf. Unter ihnen auch Bjørn Einar Romøren, aktuell der wohl beste norwegische Skispringer (nicht bei Olympia) ,  und für viele in der Skisprungszene der einzig logische Premierenspringer. Er ging dann auch als erster in die Spur und vom Schanzentisch, landete bei 111 Metern und sicherte  sich mit diesem Sprung einen Platz in den Geschichtsbüchern … und natürlich in den Schlagzeilen der großen Tageszeitungen und Nachrichtenprogramme. Der Aufschrei war natürlich riesengroß – welchen Wert hat nun der Sprung von Anette Skagen während der Eröffnungsfeier?

Bestimmt hat das Ganze noch ein Nachspiel. Doch spätestens wenn im nächsten Jahr (mit etwas Glück) ein Norweger den weitesten Satz der Weltmeisterschaft landet, ist all das Theater vergessen.

Und während ich hier schreibe, wurde die neue Holmenkollenschanze eröffnet, Anette landete ihren “ersten” Sprung sicher und war happy.

Video vom ersten offiziellen Sprung: Dagbladet.no

Ein Kommentar zum Beitrag “Großes Theater”

  1. Vestfolder schrieb am 04. März 2010 um 09:03 Uhr:

    Ja, dieses Theater haben wir auch verfolgt. Es war schon eine Sauerei, wie der Verantwortliche Roar Gaustad die Abstimmung der Bevölkerung umgangen hat. Er äußerte sich ja bereits im Februar, dass er nicht dafür ist, dass ausgerechnet eine Frau die Erste sein soll, die von der Schanze springt. Er favorisierte Romøren und hat das auch lauthals verkündet. Gleichzeitig sagte er aber auch, dass er sich der Abstimmung beugen wird. Dass er das so nun durchgesetzt hat, hat sowohl in der Politik als auch in der Sportorganisation große Empörung hervorgerufen. Dass die Schanze vorher von Probespringern getestet werden müsste, war ja klar. Wären die Testspringer ausnahmslos no names gewesen, ginge das auch in Ordnung. Aber dass er sich für seinen Favoriten aus der norwegischen Nationalmannschaft entschieden hat, war einfach nur unmöglich.
    Romøren sollte eigentlich als Zweiter gestern über den Bakken gehen. Aber er hat es nach diesem Theater dann lieber sein gelassen. Die Leute hatten ja schon dazu aufgerufen, ihn auszubuhen, falls er bei der Eröffnung erscheinen sollte.

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