Freitag, 18. Juni 2010
Diesseits von Afrika
Bekanntlich dreht sich derzeit alles um Afrika, genauer gesagt um Südafrika. Doch nicht so hier im Blog (noch nicht zumindest). Hier gehts nicht um nervige Plastiktröten, kleinliche (spanische) Schiedsrichter, zuuuu——huuuuuu runde Bälle, verschossene Elfmeter und fröstelnde Fussball-Reporter.

Wir haben vielmehr einen Ausflug in den Sommer gemacht, in den englischen Sommer(wolkig bis sonnig bei 15-23 Grad) . Aus gegebenem Anlass (Geburtstagsparade der Queen???) verbrachten wir ein verlängertes Wochenende in London. Nun ist London nicht gerade eine Reise ans andere Ende der Welt und für Norweger fast so normal wie 10 Grad und stürmischer Wind im Sommer. Doch weil wir keine echten Norweger sind, haben wir uns schon lange drauf gefreut. Zumal ich bisher erst einmal vor ziemlich genau 20 Jahren (diese Zeitangabe deutet darauf hin, dass ich wohl so langsam alt werde???!) auf der großen Insel war.

Deshalb stand neben Erholung und Shopping (das absolute London-Must-Have als “Norweger”, weil ja alles sooo billig ist) auch großes Sightseeing auf dem Plan. Wir hatten uns vorher bei den mehr England-erprobten Kollegen beraten lassen und mit reichlich Tipps und Material versorgt, so auch mit Stadtplan und U-Bahn-Karte. Wir wohnten relativ zentral in einem Hotel nördlich des Hydeparks und da meine etwas mehr London-kundige Zwiebl meinte, dass von da aus alles Sehenswerte bequem zu erlaufen sei, machten wir uns zunächst zu Fuss auf den Weg in den Großstadtdschungel. Leider muss wohl bei der Umrechnung von Norwegischen Meilen zu englischen Meilen zu Kilometern etwas schief gegangen sein

Jedenfalls waren die Entfernungen doch um einiges gewaltiger als gedacht, so dass wir schließlich doch auf die öffentlichen Verkehrsmittel umstiegen. Mit Bus und Bahn gings zu den Touristen-Magneten der Stadt. Am Tower wurden wir dann Zeuge (neben gut 5 Millionen Chinesen und deutschen Schulkindern)Â der Greburtstagsballerei zu Ehren irgendeines 68 Jahre alten Mitglieds der königlichen Familie – jedenfalls wurden 68 Salutschüsse abgefeuert, welche das Trommelfell der Schaulustigen gewaltig erschütterten. Aber da muss man als guter London-Tourist eben durch. Weiter zur TowerBridge, die Themse runter zur St. Pauls Cathedral, Big Ben, Parlament, Westminster Abbey … das volle Programm.

Schließlich endeten wir am Picadilly Circus und in Soho, wo der erste London Tag bei Thai-Essen ausklang.

Am darauffolgenden Tag erfüllten wir zunächst den Bildungsauftrag unserer Reise und schauten uns im Science Museum um. Nachdem der Wissensdurst bzw. die hauptsächliche Lust auf 3D-Kino gestillt waren, gingen wir zur leichten Unterhaltung über.

Zunächst wandelten wir auf den Spuren von Hugh Grant und Julia Roberts und machten Notting Hill unsicher bevor wir am Abend im Musical abrockten. Das war wirklich eine feine Sache: Man braucht Musical-Karten nicht ein Jahr im Voraus bestellen, um dann ein Vermögen zu löhnen, sondern geht einfach an eine der unzähliche Verkaufsstellen sagt wann und wo und welches Musical und ist mit knapp 50 Pfund (rund 60 Euro) für zwei Karten dabei. Und wenn dann auch noch die Show rockt – in unserem Fall “We will rock you” – das Queen-Musical, dann ist das einfach geil (… dieses Wort steht doch im Duden, oder? Also darf man’s auch verwenden?!)
An dieser Stelle ist ein kleiner Schwenk zum Fußball unumgänglich … denn im Musical gehts darum , in naher Zukunft, wenns nur noch Gaga-Musik gibt, die letzten Reliquien echter handgemachter Musik zu finden. Und die sind am “Ort wo die Champions spielen” versteckt. Gemeint ist damit, wie könnte es anders sein, das Wembley-Stadion, der einzige Ort, an dem England die Deutschen 1966 in einem wirklich wichtigen Spiel durch dieses merkwürdige Nicht-Tor besiegt hat
 Aber was lernen wir daraus? England wird wohl in Zukunft nie mehr Fußballweltmeister werden.

Zurück nach London. Den Samstag ließen wir ganz ruhig angehen (wir waren nicht mit der Queen paradieren … oder parodieren??!). Ein bissl in den Park und vielleicht in den Zoo? Diesen Plan haben wir dann schnell verworfen – 20 Pfund Eintritt pro Nase und gut 2 Meilen (englische) Schlangestehen konnten uns nicht wirklich überzeugen. Und so blieb es bei einem Ausflug nach Primrose Hill, wo wir uns mit einer von Zwiebels alten Schulfreundinnen trafen. Anschließend starteten wir einen Shopping-Versuch auf der für Norweger einzig bekannten Straße in London – der Oxford Street. Dort scheiterten wir kläglich. Uns fehlt einfach noch immer das norwegische Preisempfinden, denn von billig würde ich keinesfalls sprechen wenn es um Shopping in der City of London geht.
Schließlich gings ins Pub. Wenn man in England weilt und am Samstagabend England sein Auftaktspiel bei einer Fußball-WM bestreitet, dann muss man einfach ins Pub. Ich konnte dann auch die Zwiebl dazu bewegen, die Partie mit Fish’n Chips, Guiness und zahlreichen ausländischen Fußballfans (erstaunlicherweise waren nicht all zu viele Engländer im “Proud of Paddington”) zu verfolgen. Auch wenn das Spiel nicht ganz den englischen Erwartungen entsprach, so sorgte wenigstens der englische Torwart für Unterhaltung und die Stimmung war trotz oder gerade wegen der englischen Unterzahl im Lokal sehr angenehm.

Am Sonntag stand dann schon wieder die Heimreise an. Doch nicht ohne zuvor Camden einen Besuch abzustatten. Die High Street war dann auch nochmal ein echtes Highlight, denn hier kam die (sonst eher verkümmerte)Shopping-Seele voll auf ihre Kosten. Viele viele viele bunte, interessante, merkwürdige, … Läden, Stände, Märkte – ein buntes Sammelsurium, wo man immer wieder stehen bleiben, gucken, staunen, probieren und kaufen muss/kann. Letztlich konnten wir ruhigen Gewissens nach Norwegen zurückkehren – wir hatten wirklich genug Geld ausgegeben.

Leider hat dieser Artikel nun doch einen kleinen fußballtechnischen Einschlag erhalten. Sorry! Man kommt aber einfach dieser Tage nicht am Thema Fußball vorbei. Seit einer Woche ist die WM in Südafrika in vollem Gang und das Fußballfieber ist überall spürbar. Selbst wenn Norwegen mal wieder nur zuschauen kann, so ist auch hier der Fußball Thema Nummer 1. Nichtzuletzt wegen meines kleinen Tippspiels, welches hier wie da den Konkurrenzkampf zwischen Norwegen und Deutschland angeheizt hat
. Überall wird gefachsimpelt, gejubelt, geschimpft, diskutiert, ausgewertet … die Ergebnisse waren doch eher durchwachsen bis unerwartet. Und spätestens seit heute Mittag sind wohl auch in Deutschland wieder 79 Millionen Bundestrainer im Amt. Das erste Spiel von Jogis Jungs habe ich leider verpasst. Dummerweise ging der Heimflug von London zeitgleich mit dem deutschen Spiel – sehr schlechte Planung. Deshalb hatte ich mir für heute eigentlich Hitzefrei bestellt … leider machten mir 10 sommerliche Grad und stürmisches Aprilwetter einen Strich durch die Rechnung. Deshalb musste ich mir ein Video-on-Demand-Ticket besorgen und das Spiel im Livestream auf Arbeit sehen … leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Ich eigne mich wohl nicht als Maskottchen. Vielleicht sollte ich einen fernseh-und computerfreien Abend für das letzte Gruppenspiel in Erwägung ziehen?!! … Wobei, es ist sowieso nicht sicher, dass ich das Spiel zu sehen kriege. Denn hier teilen sich ein frei empfangbarer und ein Pay-TV-Sender die Übertragung der WM. Nix mit öffentlich-rechtlich. Schließlich hat der staatliche NRK gerade einen sauteuren Grand-Prix veranstaltet und dabei mindestens 5 Millionen Kronen Miese gemacht. Daher hats wohl eher nicht für die WM-Rechte gereicht. Welch ein Glück für die deutschen Fußballfans, dass Lena nicht schon im vorigen Jahr beim Grand-Prix war
Aber wie heißt es so schön … das Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt Deutschland. Es ist ja noch nix verloren. Also Daumen drücken!!! Heia Tyskland!
