Dienstag, 31. August 2010

Elementarferien Teil 2: Eis

Nach einem kurzen Zwischenstop in heimatlichen Gefilden machten wir uns zur zweiten Etappe unserer Elementarferien auf. Diesmal wollten wir uns dem eisigen Element nähern. Dazu hätten wir natürlich einfach den nächsten Supermarkt oder Conviny aufsuchen können, aber ganz so einfach wollten wir es uns dann doch nicht machen. Stattdessen brachen wir ins Gebirge Richtung Røldal auf, reichlich 4 Autostunden von Stavanger entfernt inkl. 2 Fährüberfahrten.

roldal8.jpg

Dort schlugen wir unser Zelt auf einem der für einen Wintersportort erstaunlich zahlreichen Campingplätze auf. Der Himmel war wolkig, die Sonne kämpfte und die Temperaturen waren angenehm frühlingshaft. Nach kurzer Kaffeepause machten wir uns auf den Weg, den Ort zu erkunden. Unweigerlich kamen dabei wir am Coop-Supermarkt, der Touristinfo und der Stabkirche vorbei – womit die Highlights beschrieben wäre. Die Stabkirche ist dann auch das einzig wirklich Sehenswerte im Ort, was wir uns nicht entgehen ließen. Wir entledigten uns bei einem freundlichen älteren Herrn unserer letzten Kronenmünzen (52 – Eintritt für zwei kostet eigentlich 60 NOK – der Bankautomat des Ortes war gerade/mal wieder/immer noch außer Betrieb) und bestaunten das hölzerne Bauwerk.

Der Ortskern von Røldal ist von recht hohen Felswänden umgeben, welche dafür sorgten, dass die Sonne schon viel früher als gewohnt unterging. Und so verkrochen wir uns zeitig im Schlafsack, denn am nächsten Morgen lag eine anstrengende Wanderung vor uns.

Breifonn

Gut ausgeschlafen und mit Frühstück gestärkt machten wir uns auf die Suche nach dem Breifonn – dem letzten Gletscher im Rogaland (eigentlich liegt er auf der Grenze zum Hordaland). Laut Wanderbuch erfolgte die 3/4-stündige Anfahrt zum Ausgangspunkt der Tour über einen Anleggsweg [= Feld-/Waldweg] wobei weder Feld noch Wald, sondern herrliche Hochgebirgslandschaften zu sehen waren. Am “Basiscamp” angekommen, rüsteten wir uns mit Wanderkarte, I-Phone-Kompass und Winterbekleidung zum Start. Es war sonnig bei knapp 10 Grad.

Wanderung Breifonn

Die ersten Kilometer gings recht eben hin, bevor es dann recht steil zwischen zwei Gipfeln steil bergauf ging. Anders als bei vielen unserer Touren markierten hier keine roten T’s den Weg.  In der Wegbeschreibung hieß es lediglich … folgen sie den Trolltürmchen (Steinhaufen). Zu Beginn waren diese noch sehr zahlreich und gut erkennbar. Doch je höher wir kamen desto größer wurde die Stein- und Wasserdichte und Trolltürmchen waren nicht mehr zu finden.

Breifonn

Auch Karte und Kompass halfen uns nicht wirklich weiter, also vertrauten wir ganz auf unser Pfadfindergefühl und stiefelten weiter bergauf. Mittlerweile kamen wir auch trotz kühler Außentemperaturen kräftig ins Schwitzen. Doch trotz zügigen Kraxelmarsches wollte sich das Ziel irgendwie nicht zu erkennen geben … die angegebene Marschzeit war schon längst vorüber ehe wir endlich unser Ziel ins Auge fassten.

Breifonn

Wobei … sichtbar war es die ganze Zeit, doch irgendwie haben wir den Gletscher nicht so richtig wahrgenommen – sah halt nicht wie ein Gletscher aus, keine Gletscherzunge, einfach nur ‘ne recht dicke Eiskruste auf nem Berg. Happy waren wir trotzdem, dass wir es nach oben geschafft hatten, das Eis war eisig und die Aussicht schier endlos.

Breifonn

Allerdings blies auch ein frostiger Wind auf 1600 Metern Höhe, sodaß wir gut durchweicht nicht lange auf dem Gipfel verweilten. Außerdem dauerte schon der Aufstieg etwas länger als geplant und so gings schon bald wieder abwärts. Und wie so oft, war der Rückweg fast noch beschwerlicher als der Aufstieg … bergab über ausgedehnte Geröllhalden, welche der Gletscher über Jahrhundete hinweg anhehäuft hatte (der geografisch gebildete Mensch spricht wohl auch von Moräne) … ein Fest für jugendliche und trotzdem langsam kraftloser werdende Körper.

Breifonn

Aber nach zweieinhalb (oder vielleicht auch drei) heftigen schier endlos erscheinenden Stunden nahm uns unser tapferer Indianer wieder in Empfang … die Füße brannten und Suppe tropfte aus allen Poren. Ziemlich groggy schleppten wir uns wieder auf den Campingplatz, unter die Dusche und bald darauf in die Heia.

Die für den nächsten Tag angedachte Fortsetzung unseres Hochgebirgs-Wander-Ausflugs haben wir aufgrund der hervorragenden Wetterlage und der noch immer schwächelnden Gebeine auf einen späteren Urlaub verschoben. Daher gings nach dem Frühstück wieder in Richtung Heimat. Doch diesmal wählten wir eine andere Route.  Von Røldal Alpingrent (eines unsere Projekte) aus gings auf der RV520 nach Sauda.

Røldal

Diese Straße ist in den Wintermonaten meist nicht passierbar, dafür aber im Sommer umso schöner.  Traumhafte Ausblicke zwangen uns immer wieder zu Fotostopps … irgendwie sind wie halt noch immer Touristen in diesem Land – einfach unbeschreiblich und absolut empfehlenswert.

Von Sauda aus gings weiter Richtung Haugesund und wieder nach Stavanger. Dort allerdings wollten wir gar nicht lange verweilen, denn schon bald gings weiter zum nächsten Abschnitt unseres Ferienabenteuers.

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