Dienstag, 08. März 2011

Det er typisk norsk …

Zwei ziemlich harte Wochen liegen hinter mir. Jeder Tag war eine Art Spießrutenlauf … wieso? Klar, kaum einer in den südlichen Regionen wird’s mitbekommen haben: hier in Norwegen, genauer gesagt in Oslo, fanden gerade die Nordischen Skiweltmeisterschaften statt – für Norweger das Größte – viel größer noch als Fussball-WM oder Olympische Spiele. Das ist durchaus nachvollziehbar, ist Norwegen doch skitechnisch ein klein wenig vorbelastet. Entsprechend haben sie sich mächtig ins Zeug gelegt und am Holmenkollen in Oslo eine nagelneue Skiarena mit samt einer Mega-Schanze aus dem Boden gestampft. Schließlich wollte man das großartigste Ski-Fest veranstalten, das die Welt gesehen hat.

In den letzten Wochen gab es dann auch kein anderes Thema. Die Zeitungen waren voll von WM-Berichten, im TV liefen die “Festspiele” rauf und runter, in den Büros wurden Fernsehecken eingerichtet und WM-Pausen eingelegt, überall in den Geschäften gabs Gold-Rabatte oder WM-Angebote, und Gilde (der wohl größte Fleisch- und Wurstproduzent) hat extra Kollen-Wiener entwickelt – Jubel-Würstchen, die besonders gut in die Würstchen-Thermos* passen.

Große Begeisterung allerorten. Man kann also getrost vom WM-Wahnsinn sprechen – und so ein bisschen erinnerte das Ganze an die Fußball-WM in Deutschland 2006.

Nun bin ich ja doch so ein klein wenig Sport interessiert, aber Langlauf, Skisprung und Nordische Kombination gehörennicht zu meinen absoluten Favoritten. Die Norweger hingegen sind absolut skifanatisch. Das bekam ich täglich zu spühren. Jeden Morgen erwartete mich die Frage – Und? Wieviele Goldmedaillen hat Deutschland gestern gewonnen? Leider musste ich fast immer antworten – keine. Im Laufe des Tages wurde ich sich dann gefühlt im Viertelstundenrhythmus informiert, wieviele Goldmedaillen die norwegischen Skiasse schon eingesammelt hatten.

Es sei den Norwegern ja gegönnt,  dass sie ihre sportlichen Triumphe gebührend feiern. Dumm nur, daß in den vergangenen Jahren Norwegen in so ziemlich allen sportlichen Angelegenheiten besser war, als die Deutschen (Handball-WM, Fußball-Länderspiel, Rad-WM, …) – und das ist ziemlich nervig und ärgerlich ;)

Was aber noch viel nerviger ist, dass Norweger in diesem Zusammenhang gerne einen leichten Hang zur Arroganz zeigen. Mag sein, dass sie derzeit wohl die beiden besten Handballerinnen, Radrennfahrer und Skiläufer der Welt haben. Dennoch finde ich das Benehmen einzelner Athlethen sowie die Berichterstattung zeitweise ziemlich mies. Wenn ein Athlet beim Zieleinlauf und dem anschließenden Interview seine Konkurrenten verhöhnt, oder während der Berichterstattung immer wieder Fragen wie  “Sind wir eingentlich schlechte Gastgeber, wenn wir selber alle Medaillen gewinnen?” eingestreut werden, dann mag das ja vielleicht lustig gemeint sein, kommt aber so nicht an und ist auch  in Anbetracht der Leistungen auch von Zweit- und Dritt-Platzierten meiner Meinung nach eher unangebracht und eines echten Siegers/Sportmannes nicht würdig.

Aber so ist das eben in Norwegen, gerade wenns um Skisport geht – da zählt nur Gold, denn der Zweitplatzierte ist immer der erste Verlierer. Ein Spruch der in diesem Zusammenhang (aber auch sonst)  immer gern zum besten gegeben wird: Det er typisk norsk å være best. [Es ist typisch norwegisch, Bester zu sein]

*Würtschen-Thermos [ein typisch norwegisches Dings - wie der Name sagt, eine Thermoskanne mit extra-großer Öffnung damit man genügend Würstchen rein- und diese wieder rausbekommt - so kann man nämlich auch unterwegs (oder eben als Zuschauer am Holmenkollen bei der Ski-WM) pølse genießen]

2 Kommentare zum Beitrag “Det er typisk norsk …”

  1. Meerblickzimmer schrieb am 08. März 2011 um 09:03 Uhr:

    Die ständige Frage nach “Wieviel Goldmedalien haben die deutschen geholt” hab ich zwar nie bekommen, aber das unreflektierte Hypen eines unsympatischen und dazu noch ziemlich arroganten Petter Northug ging mir auch auf die Ketten. Zumal die Norgis ihm gegenüber schonmal echt kritischer waren, als er nämlich der Presse selbst keine Interviews mehr gab, sich eigene Sponsoren suchte und so für Zoff im Landesverband sorgte. Im Goldrausch setzt wahrscheinlich dann manchmal auch das Hirn ein wenig aus, was ich echt schade fand. Die sportliche Leistung war ja gut, aber das sollte nicht über unsportliches Verhalten hinwegtäuschen.

  2. Martin schrieb am 11. März 2011 um 21:03 Uhr:

    hm, also ich habs gesehen und fand das nicht so dramatisch, kann man mit Humor nehmen.
    Gleichzeitig ist es so, dass die Deutschen anders und doch gleich sind: keine Arroganz á la P.N. (die auch nicht mag, aber es gibt eben auch andere) aber doch gleich beleidigt wenn es nicht ganz so passend lief und einer mal ein bisschen Kampfgeist zeigte. Ich erinnere mich an zwei Situationen, bei denen jeweils ein Deutscher und ein Norweger beteiligt war. Der Deutsche fühlte sich benachteiligt vom Norweger und schimpfte wie ein Rohrspatz – ebenso der Reporter. Im Nachhinein jedoch bekam der Norweger sowohl recht, in einem Fall vom Sportgericht, im anderen Fall vom deutschen (!) Trainer.
    Und dazu sei angemerkt: Die WM war klasse. Was stand im schwedischen Aftonbladet: Die Nordische Ski-WM sollte immer in Oslo statt finden.
    Ach ja, so überheblich die Norweger zuweilen sind, so selbstkritisch sind sie aber auch! Beweise liefere ich gerne.

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