Montag, 21. März 2011
Dschungelcamp auf norwegisch
Ab und an kommt es ja tatsächlich vor, dass wir den Abend vor der Flimmerkiste verbringen, um dann ganz schnell festzustellen, dass sich das Fernsehprogramm in Norwegen von dem in Deutschland (so wie wir es von damals noch kennen) gar nicht so grundlegend unterscheidet.Soaps, Comedy, “Talent”-[vorführ]shows, Promi-Kochen, ab und an Nachrichten, ein paar (durch zahlreiche Werbepausen unterbrochene) Filmchen, viel Sport … eher weniger zu sehen sind Talk- und Gerichtsshows (vielleicht hab ich die nur noch nicht entdeckt, weil ich um diese Zeit für gewöhnlich aus dem Bürofenster schaue und Schiffe gucke) – und, was heutzutage natürlich in keinem guten Fernsehprogram fehlen darf: Dschungelcamp!
Ja, auch das gibt es in Norwegen. Allerdings unterscheidet sich das norwegische Dschungelcamp ein klein wenig nvon den Dschungelcamps der übrigen westlichen Fernsehwelt. Hier heißt das Ganze “71 Grader nord – Norges tøffeste kjendis” [71° Nord - Norwegens härtester Promi].
Dabei werden allerding keine vergessenen C- und D-Promis in den australischen Schungel gesperrt um die Ekelgrenze bis zum Erbrechen auszureizen. Vielmehr schickt man Prominente in die Norwegische Wildnis, um sich mit den Schönheiten der Landschaft und Natur vertraut zu machen und sie auf körperliche und geistige Fitness zu testen. Auch kämpft man hier nicht mit wild gewordenen Emus, Kakerlaken oder Spinnen sondern hauptsächlich gegen Schweinehunde … die inneren wohlgemehrt. Das Konzept der Sendung besteht darin, dass sich eine Gruppe von 10 Leuten (in der Promiversion) von Lindesnes (südlichster Punkt Norwegens) aus auf eine abenteuerliche Tour quer durch Norwegen begibt, um am Ende am Nordkap (71° nördliche Breite) den “Dschungelkönig/königin” zu krönen.
Dabei werden die Kandidaten auf den einzelnen Etappen vor die verschiedensten Herausforderungen gestellt. Neben den “normalen” Wanderungen (meist recht anspruchsvolle Touren), stehen Rad-, Paddel, oder Klettertouren auf dem Programm, oftmals sind auch Teilabschnitte per Ski oder Segelboot zu bewältigen. Hinzu kommt ein schwerer Rucksack mit der gesamten Ausstattung (Klamotten, Zelt, Schlafsack, usw.) als ständiger Begleiter.
In Gruppen aufgeteilt gilt es dann, die Tagesaufgabe (manchmal auch über mehrere Tage) zu lösen. Die Gruppe, welcher das am besten gelingt, wird durch Prämien belohnt – ein heißes Bad, ein warmes Abendessen, Übernachtung in einem Bett … Zusätzlich gibt es nach jeder Etappe eine Einzelprüfung (gerne mal BMX-fahren, im Gletschersee schwimmen, Kuh-Mist-Bingo, Tour-Memory o.ä.) bei der es um “Freikarten” geht. Diese sichern dem Gewinner den Verbleib in der Reisgruppe. Nach und nach lichtet sich das Feld, denn nach jeder Etappe wird ein Teilnehmer von seinen Mitstreitern nach Hause geschickt.
Die Sendung gibt es schon seit mehr als 10 Jahren und ist damit eine der erfolgreichsten und die dienstälteste Sendung ihrer Art. Inzwischen gibt es auch in anderen Ländern 71°Nord-Ableger, welche teilweise auch in Norwegen aufgezeichnet werden. Für mich zählt die Sendung zu den absoluten TV-Heilights und ist ein absolutes Muss. Ich freue mich auf jede neue Staffel. Zum einen finde ich die Leistungen der Kandidaten wirklich bemerkenswert und zum anderen gibt es traumhafte Ein/Ausblicke in die norwegische Landschaft, welche immer wieder Sehnsüchte und Erinnerungen an unsere (vergleichsweise harmlosen) Touren wecken.
In der aktuelle Promi-Ausgabe macht die Reisegruppe* quasi vor der Haustür Station (nicht wirklich, denn die Sendung wurde im vergangenen Jahr aufgezeichnet). Nach dem Start in Lindesnes ging es für die Kandidaten an der Küste entlang nach Sandnes bis aufs Lifjell. Die darauffolgende Etappe führte die Teilnehmer in den Lysefjord, wo sie von Bråtteli aus den Preikestolen erklimmen mussten. Oben angekommen, “durfte” sich einer aus jeder Gruppe vom Plateau aus abseilen, um den Aufgabenzettel (4 Meter unterhalb der Felskante) zu erreichen.
Wer den Preikestolen kennt, weiß, dass es dort 604 Meter senkrecht nach unten geht – ohne Netz und doppelten Boden! Es gibt nicht wenige, denen schon beim Gedanken daran das Herz in die Hose rutscht und die sich den freien Blick nach unten lieber sparen. Umso bemerkenswerter ist es dann, wenn ein norwegischer Politiker (mit arabischen Wurzeln) der nach eigenen Angaben noch niemals eine “Tour” gegangen ist und eine junge Kickbokserin bei stürmischem Wind den Schritt über die Kante wagen – größter Respekt!
Leider habe ich zur aktuellen Ausgabe keine Filmschnipsel gefunden, die dieses Abenteuer dokumentieren könnten.
Weitere Infos zur Sendung auf TVNorge.no
*Mit dabei sind ein ehem. Topmodell, ehem. Fusballnationalspielerin, Kickboxweltmeisterin, Motocross-Fahrer, TV-Moderatorin, Kinderfernsehonkel, zwei Sängerin ein Sänger und ein Politiker. Einige davon haben nach eigenen Angaben noch nie im Zelt übernachtet, andere waren noch nie auf Tour und kennen die norwegische Natur nur von Fernsehberichten und Postkarten!!! Kaum vorstellbar!

Das klingt ja richtig super, wäre das nichts für einen zugereisten Norweger? Aber dafür fehlt wahrscheinlich der Bekanntheitsgrad oder? Einige der genannten gegenden kommen mir aus den euren Schilderungen doch schon bekannt vor. Das ist aber nicht mit dem Dschungelcamp zu vergleichen!!! Ich glaube hier zählt wirkliche Stärke und Zickenkrieg passt da absolut nicht hin.
Schon das nächste Tourziel angepeilt??